Jahrgang 
Band 1 (1837)
Seite
67
 
Einzelbild herunterladen

67

ſammen waren. Das ſchwellende Herz des Liebenden ſehnt ſich nach dem Vuſen der Geliebten; auch hier fanden ſich die verwandten Herzen und Liebe, die zauberiſche, hüllte beide in einen Nebel von ſeligem Zerfließen. Hingegeben den Träumen ihrer Fantaſie, hörten beide darum kaum die ſchweren Tritte des Dogen, welcher an der Zimmerthüre pochte. Luigi faßte ſich; es war zu ſpät: ein Gedanke, neu und erhaben, durchzukte ihn, nur ſo konnte er ſich und Helena retten; er ſtürzte wie ohnmächtig zu Boden.

Contarini trat ein und ſah das Unzweideutige der ganzen Situation. Helena ſchwieg. Der Doge nahm das Wort, und ſprach mit teufliſcher Ruhe und bittrer Ironie:Hier iſt, wie lch ſehe, ein Unglük vorgegangen. Mein Luigi wollte dich gewiß, geliebte Gemahlin! begrüßen und da mochte ihn denn vielleicht der Schlag gerührt haben, denn ohnmächtig, ja todt liegt er am Boden. Ich weiß ſchon, wie das Einem kommt; ja richtig mein Luigi iſt todt. Armer, armer Sohn! ſo jung, liebenswürdig und todt! Muß doch gleich ſelbſt des Todten Leichenbegängniß beſorgen. Der Doge ging.

Luigi erhob ſich raſch und ſank Helenen um den Hals.Geliebte! ſprach er zu ihr,für dich lebend zu ſterben, wird mir ſüß, nur mein Still⸗ ſchweigen, mein Tod kann dich retten. Der tükiſche Doge hat ſchon frü herhin unſer Verhältniß bemerkt und nun das Ganze vollkommen durchſchaut; jeden⸗ falls wäre Tod mein Loos, laſſe mich demnach lieber ſo ſterben, auf daß du leben kannſt, des Dogen Rache würde fürchterlich ſein; doch ſo wird deine Ehre vor den Augen Venedigs gerettet, ſie iſt erkauft mit meinem Leben. Er küßte ſie, indem hörte er Fußtritte und lag in der frühern Geſtaltung wie todt am Boden.

Der Doge kam mit Prieſtern und Dienern zurük. Mit furchtbarem Lä⸗ tbeln legte er ſeine Hand auf Luigis Herz und ſprach:Ja, er iſt wirklich todt! Sprecht über den Jüngling das Leichengebet, befahl er den Prie ſtern. Seinen Dienern gebot er:Schaffet einen eichenen und bleiernen Sarg her, wie ihn ſonſt nur Patrizier zu haben pflegen.

Helena ſtand da wie ein Marmorbild, die gräßliche Rache des Dogen, die unendliche Hingebung Luigis erwägend. Endlich flehte ſie zu ihrem Gat⸗ ten, er ſollte dieſen Ort des Schrekens und des Todes verlaſſen und den Ver ſtorbenen den Prieſtern überlaſſen. Der Doge aber ſprach fürchterlich zärtlich zu ſeiner Gattin:Geliebte! Erinnere dich, Luigl war ja beinahe wie mein Sohn gebalten. Ach! ich liebte ihn innig, will auch von ſeiner Leiche nicht ſcheiden, bis ſie im Sarge liegt, will den Sarg nicht eher verlaſſen, bis er im Grabe ruht; will vom Grabe nicht weichen, bis daſſelbe ein ſchönes Mo⸗ nument von Erz deket. f

Er hatte Louis weinend geküßt, nun wies er mit einem entſezlichen Blike auf die lebende Leiche. Indeß war die Nacht gänzlich hereingebrochen; Jakeln wurden angezündet; die beiden Särge waren ſchon herbeigeſchafft. Als die Gelſtlichen Luigis Körper in den Sarg legen wollten, verhinderte dies Contarini:Laßt mich dies Geſchäft ſelbſt vollbringen, ſprach er und for⸗ derte ſeine Gemahlin dabei auf, ihm zu helfen;betet für meinen Luigi, für mein frommes Kind, ſezte er fort,betet nur und ſinget Klagelieder, ich will den Leib in den Sarg ſchaffen.