Jahrgang 
Band 1 (1837)
Seite
66
 
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Mit Ergebenhelt fügte ſich Helena in das Unabönderliche, als ſie bei ſolch⸗ trauriger Ehe einen jungen Mann, einen beſcheiden ſcheinenden Italie⸗ ner mit ſchwarzen Augen zu ihren Füßen knien ſah. Dieſer Mann hieß Louis und war der Sohn eines Landbeamten von Contarini. Der Doge hatte ſchon als Kind Louis in ſeinen Pallaſt bringen laſſen, um eben dieſem düſtern Hauſe durch die Einverleibung eines jugendlichen, lebensfriſchen Gemüthes einigen Anſtrich von Leben zu geben. Louis wuchs heran, hatte frühzeitig Wucherer, ſchöne Frauen und die Spielbank kennen gelernt; man betrachtete den jungen Wüſtling, welchen der Doge ſehr liebte, als Herrn im Pallaſte, umſomehr, 95 Contarini ihm das Recht zugeſtäand, ſich von ihm, Vater nennen zu laſ⸗

. In dieſem Bilde nun ſah der Vater ſein Ebenbild aus verfloſſener Ju⸗

ee her und darum eben ward ihm dieſer lebende Spiegel ſo liebenswerth. ers geſtalteten ſich aber die Dinge, als eine holde, reizende Hausfrau des Pallaſtes finſtre dunkle Räume mit den Strahlen ihrer Schönheit lichtete. Luigi, der Wäſtling, hatte kaum die Herrin geſehen, als ſein ganzes We⸗ ſen auf einmal eine gewaltige Veränderung erhielt. Im ſchmukloſen, ſchwar⸗ zen Mantel, mit einem einfachen Hute ſchlich der Pflegeſohn umher, er wählte die Eiſamkeit zu ſeiner Freundin, doch aDie Einſamkeit iſt eine grauſe Göttin, Wenn Alles um uns ſchweigt, ſchweigt auch die Täuſchung. Keine Lieder entfloſſen nun mehr ſeinem Munde, ſeine Gultarre ſchwieg, ſtumm war ſein Leben, ſtumm wollte er ſeine Umgebung. Indeß Louis trau erte, glänzte Contarini, duftend wie ein Roſenſtok. Ein Hut mit Rel herſfe⸗ dern, ein blanker Degen, ein goldgeſtiktes Sammtkleid zierten ihn. Sogar Verſe auf ſeine Geliebte zu machen, fiel dem alten und jungen Ehemann ein, er ſoll beim Abmeſſen einiger Verſefüße den Kopf verloren, ja manche Stun de im Angſtſchweiſe arbeitend zugebracht haben. Der Jüngling Louis wurde zum melancholiſchen Griesgram, der alte Contarini zum jungen Thoren, und doch blieben zum Troz all dieſer Veränderungen und Metamorphoſen, Luigi ein ſchöner, ſchmachtend blühender Jüngling, und der alte Doge, der ausgetrok⸗ nete, abgewelkte Greis.

Und der ſchöne ſchmachtende Jüngling fand Gnade vor den Augen der Dogareſſa und das Bekenntniß der Liebe floß bald wechſelſeitig über ihre Lippen. In Lulgis Schmerz blühte das ſüße Wort:ich liebe dich nur düſter auf; wie konnte der diesmal zum erſten Male wahr haft tiefliebende glühende Jünaling ſich damit begnügen, daß er wohl eines andern Blume ſchauen, bewundern und wohl auch an ihren Reizen ſich laben durfte, war es ihm doch nicht vergönnt, dieſe Blume ſein Eigenthum zu nennen; nur die Nacht, nicht der roſige Tag der Liebe, das freie offene Lieben hatte ſein wer den können. Für ihn wäre nur ein Weg der rechte geweſen, jener ſchmerzliche Pfad des Entſagens: allein widerſtehen konnte Luigi nicht dem ſüßen Rufe, dem Zauberblike der glühenden Italienerin und ſo wurde ſeine Liebe ein Zu⸗ ſammenwachſen von Wehmuth und ſchmerzlicher Abgeſchloſſenheit und Halble⸗ ben, denn der Schatten der Liebe konnte die ungeheure Glut ſeiner Liebe nicht dämpfen.

Helene war für ihn verloren, als die Gattin ſeines Herrn und Wohl⸗ thäters, des Dogen. Und einſt traf es ſich, daß beide in einem Gemache bel⸗