Jahrgang 
Band 1 (1837)
Seite
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ſpielte mit Laune. Die H. H. Rötzer und Stoll leiſteten Verdienſtliches. Das Publikum lachte und fühlte gewiß ſchon lange nicht ſolches Ergözen. Möge die Oper eine baldige Wiederholung erleben! Sie würde auch außer dem Karneval eine willkommene Erſcheinung ſein. M.

Wien(24. Januar). Es gibt ſehr ſtarke Wochen in der Theater und überhaupt in der Novitäten-Zeit: ich bin eben daran, über eine ſolche zu berichten. Neſtroys neue Poſſe mit dem ellenlangen Titel, über die ich Ihnen neulich etwas antizipirte, iſt von Sta⸗ pel gelaufen aber mit einem gräß lichen Erfolge. So eklatant durchge pocht und ausgepfiffen wurde ſchon lan ge nichts.Seeräuber-Rache, gleich⸗ falls im Theater an der Wien gegeben und von Hrn. C. Stegmayer, dermali⸗ gem Leibpoeten der Direktion dieſer Bühne verfaßt, erlebte zwei Vorſtel lungen; die Exiſtenz des Stükes war kürzer als die Rezenſion deſſelben in der Theaterzeitung. Im Leopoldſtäd ter Theater tanzt eine Spanierin auf dem Draht und gefällt ſehr. Herr Scutta hat als Benefize ein Stük ge geben, welches Hr. Schickh, dergute Humor des Leopoldſt. Theaters, aus einer alten Komödie zuſammengeſchrie ben hat. In der Joſephſtadt begann Pöck aus Prag geſtern ſeine Gaſtrol len, imCaſtell von Urſino wenn Sie ſich unſere Wiener Witterung den ken könnten; ſo würden Sie es ſehr begreiflich finden, daß ich um einer alten Oper und um eines oftgehörten Gaſtes willen nicht das entlegene Thea ter beſuchte. Im Kärnthnerthor wird als nächſte Novität AubersLe ſtocg vorbereitet: man erwartet indeß von dieſer Oper keinen beſonderen Erfolg; vielleicht ſind ihr die neuen 0 Einlagen des befähigten und diesfalls akkreditirten Kapellmeiſters Kreutzer

von Nuzen. An Gäſten erwartet man, wie ich höre, Fräulein van Haſſelt aus München. Der Abgang der Dem. Löwe, die ſich zum k. Operntheater in Ber- lin verfügt, iſt ein außerordentlicher Verluſt, deſſen Nachwehen die Admi- niſtration nur zu bald empfinden wird. Geſtern war großer Hofball, heute (24.) iſt gemiſchte Soeietè bei dem tür⸗ kiſchen Votſchafter. Von ſonſtigen Bällen ſprechen, hieße Legionen mu⸗ ſtern wollen. 2. Karlsruhe. Fräul. Schebeſt erntet fortwährend den enthuſiaſtiſchen Beifall des hieſigen Publikums ein. In denbeiden Nachtwandlern imi⸗ tirte Mad. Sehring die gefeierte Sän gerin in einer berühmten Geſangſtelle mit viellem Glüke. O. Neapel. Am 3. Jänner hörten endlich auch wir im Theater St. Carlo zum Erſtenmale die in Paris ſo hoch geprieſene, auf vielen Bühnen Ita liens aber nicht mit gleich günſtigem Erfolge gegebene Oper Bellini's: i Pu- ritani; ſie iſt hier total gefallen; die⸗ ſer Fall war unvermeidlich, denn, un ſtreitig eine der ſchwächern Werke(2) des betrauerten Meiſters, bedarf ſie mehr als jede andere der kräftigen Un terſtüzung der Darſtellenden. Dieſe wurde ihr in keiner Hinſicht Außer dem Tenor Baſadonna, deſſen Stim me überdies für die Rieſenhallen un ſers großen Theaters etwas zu ſchwach iſt, war keiner der in den Puritani Beſchäftigten ſeiner Rolle gewachſen. Lablache Sohn iſt noch Anfänger und hat noch viel, ſehr vlel zu lernen und zu gewinnen, um ſeinem vortrefflichen Vater nahe zu kommen. Du lieber Himmel, was iſt Dem. Barili für ei⸗ ne Elvira!!! Jede ihrer Töne fand im Schauplaze einen Wiederhall, der ihr gellend gerechte Würdigung brachte, eine Würdigung, die am Schluſſe der Vorſtellung ſo laut ward, als hätte