Jahrgang 
Band 1 (1837)
Seite
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erſten Publlziſten des Zeltalters. Die Wiſſenſchaften und Künſte liefern eine traurige Fortſezung zu dieſer dürſtern Liſte: Ampere, Navier und Deſtutt de Tracy; Charles Vernet für die Malerei; Gomis und Reicha für die Muſik. Unter den Schauſpielern be⸗ trauern wir: Legrand, den unvergleich⸗ lichen Komiker; den deutſchen Choteo⸗ graphen Henry; die ſchöne Madame Doche⸗-Duſſert, und den faſt hundert⸗ jährigen Chef der Familie Franconi. Zum Schluſſe müſſen wir noch die herrli⸗ che Malibran,dies bewunderungswür⸗ dige Weib, die Künſtlerin par excel- lence, die Dichterin, die Sängerin, die Tragikerin erwähnen. Herr Green hat am 9. Januar ſeine berſpro⸗ chene zweite Luftfahrt im Hof der Ka⸗ ſerne Poiſſoniere zu Paris bei einem ungeheuern Andrang von Zuſchauern gehalten. Er beſtieg das Schiff mit 7 Perſonen, wozu auch der ungari⸗ ſche Graf Zichy und Herr Alexander Dümas gehörten. Beim Aufſteigen wurde der Vallon vom Winde an ei⸗ nen Kamin der Kaſerne geworfen, und gerieth in heftiges Schwanken. Ein Hut und eine franzöſiſche Fahne fielen heraus. Jedoch konnten nur die Un⸗ eingeweihten Gefahr vermuthen; denn man ſah, wie Herr Green fortwährend die engliſche Fahne ſchwenkte; durch Auswerfen von Ballaſt erleichtert, ſtieg der Ballon wieder in die Höhe, ſchwaͤnkte aber fortwährend, bis er über den Wolken verſchwand. Nach 30 Minuten ſank er bei Claye(10 Stun⸗ den von Paris entfernt) nieder. Die Lufiſchiffer beſchreiben ihre Reiſe als ſehr angenehm, indem über der Wol⸗ kenregion ſogleich eine ſonnige, warme Atmoſphäre begann. Man klagt in Paris über die ſchlechte Theaterpolizei

in der großen Oper. Während Bohrers

Konzert, das in einer ſehr unpaſſen den Dekoration ſtattfand, hörte man

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den Hammer ber Zimmerleute und das Lärmen der Maſchiniſten, und im er⸗ ſten Akte des Zaubertranks, welcher dem Konzerte voranging, warfen die Choriſten ſich Brodkügelchen in's Ge⸗ ſicht, und Knaben aßen Aepfel auf der Szene und warfen die Gehäuſe vor den Augen des Publikums in die Lam⸗ pen. Die ſchöne und talentvolle Sängerin, Demoiſelle Falcon, iſt von der Direktion der großen Oper auf vier Jahre wieder angeſtellt worden. Sie erhält dreißigtauſend Franken jährlich; zweihundert Franken Spiel⸗ Honorar(feux) im erſten Jahre, in den folgenden dreihundert Franken, zehnmaliges Auftreten im Monate ga⸗ rantirt. Hiezu kommt ein dreimonat⸗ licher Urlaub. Hier macht eine Oa me Aufſehen, die man la Dame des oiscaux nennt. Sie heißt Frau von Steinberg und iſt die Wettwe des Lord Newborough. In ihrer Wohnung ſoll ſie an zweitauſend Vögel haben, und bei ihrer täglichen Promenade im Tuil⸗ leriengarten laufen ihr Sperlinge, Hänflinge, Tauben und anderes Fe⸗ dervieh in ganzen Schaaren nach, zur großen Beluſtigung der Pariſer. Von dieſer Dame iſt der Roman Maria Stella erſchienen, worin ſie ihre my⸗ ſteriöſe Geburt und wahrhaft roman hafte Ereigniſſe erzählt. Sie gibt vor, durch authentiſche Dokumente beweiſen zu können, daß ſie eine eheleibliche Tochter des Herzogs und der Herzogin von Orleans ſei, und mithin eine Schweſter des jezigen Königs der Fran⸗ zoſen. Der bekannte Improblſa⸗ tor Langenſchwarz(ein hieſies Blatt nennt ihn Zangenſchwarz) iſt hier an⸗ gekommen, und hat bereits eine öffent⸗ liche Produktion angekündigt. B. Berlin. Unter den aus Preu⸗ ßen nach Amerika ausgewanderten Per ſonen befand ſich auch der Tiſchlermei⸗ ſter Brumley in Berlin, welcher die