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5. Eine Frau rief einen Ekenſteher, der ihr elne Komode, dle bereits auf der Straße ſtand, in ihre neue Wohnung tragen ſollte.— Der Ekenſte⸗ her begehrte acht Groſchen, die Frau bot vier.
„Ne Madame, das jet nich, ich will ſie rathen, die Komode bis Nachts hier ſtehen zu laſſen, dann trägt ſie einer umſonſt wech.“
4.„Wo iſt der Mann mit dem Schimmel, der mich geſtern gefahren hat,“ redete ein junger Mann einen Droſchkenführer an.
„Der hat eine Fuhre, bedienen Sie ſich meiner Droſchke, ich bin der Sohn von dem Sch immel, der Sie jeſtern jefahren.“
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Ansichten. Urtheile. Gegebnisse.
Theater.
Stuttgart. Lewald ſpricht ſich in ſeiner„Europa“ folgendermaſſen über die Gaſtrollen der Olle. Sche⸗ beſt aus:„Nachdem in Stuttgart ſo mancher Verſuch mit Gäſten, die kurze Zeit nacheinander auftraten, ge⸗ macht worden war, kam endlich Olle. Schebeſt vom Theater in Peſth, wel— che alle Stimmen des Beifalls für ſich zu vereinigen ſcheint.— Ihr erſtes Auftreten als Norma war ſchon ganz geeignet für ſie einzunehmen. Ein aus⸗ drukvolles Mienenſpiel, ungezwunge— ne, maleriſche Bewegungen, ohne bal— letmäßige, ſogenannte Grazie, ein feuriges, den Zuſchauer mit ſich fort— reißendes Spiel, dies waren die gro— ßen Hilfsmirtel, deren ſich die Sänge⸗ rin gleich beim erſten Auftreten mit Sicherheit zu bedienen wußte. Der Vortrag der Bellini'ſchen Kompoſition war dem Spiele vollkommen angemeſ— ſen, wenn er gleich in muſikaliſcher Hinſicht einige Wünſche unbefriedigt ließ. Am ungünſtigſten wirkte das bis zum Schreien Forciren der Stimme: eine Angewöhnung, die vielleicht von dem ungeheuern Peſther Theater der Künſtlerin anhängen mag, aber wahr— ſcheinlicher durch den Zwang bhervorge—
rufen wird, den die höhern Töne ih⸗ rer Kehle verurſachen, da ſie ſich ei⸗ gentlich nur in beſchränktem Umfange gemächlich bewegt, und dafür eine klangvolle, ſchöne Tiefe beurkundete. Die zweite Rolle, welche von Dem. Schebeſt dargeſtellt wurde, war die Alice im Robert.— Allein den voll⸗ kommenſten Sieg errang die Sängerin erſt als Romeo. Es klingt unſern nüch⸗ ternen Gemüthern mährchenhaft, wenn man nur die Thatſachen troken herzäh— len will, und doch iſt es ſo, doch hat ſich's zugetragen, vor unſern Augen und Ohren. Dem. Schebeſt wurde beim Auftreten mit lautem Beifall begrüßt, nach der Szene herausgerufen, nach dem 2. und 4. Akte herausgerufen; als das Schauſpiel beendigt war, rot— teten ſich junge Leute zuſammen, um ihrem Wagen voranzueilen, und ſie an ihrem Gaſthofe ausſteigen zu ſehen; man brachte ihr ein Vivat; andern Morgens, als ſie in der Konzertprobe erſchien, wurde ſie von den verſam— melten Muſikern mit einem Tuſch em⸗ pfangen de. Möge der ungetheilte Bei— fall,“ ſchließt Lewald recht wahr,“ den Bellini in unſern Tagen empfängt, jüngere Komponiſten darauf aufmerk- ſam machen, was auf dem Theater bei geringern Mitteln von lebhafter Wir— kung ſein kann; Mozart und Betho—


