Jahrgang 
Band 1 (1837)
Seite
33
 
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Spiegel

Kunst, Eleganz und Mode.

Veßuler Gabe ,.

5. Mittwoch, 18. Januar. 1837.

7 Des Zauberers Rache. Aus dem alten Sagenkreiſe Saboyens. Von Johann Langer.

In Savoyen lebte einſt die Chronik beſtimmt uns nicht die Zeit, in welcher ſich die wunderbare Begebenheit zutrug; doch möchte es ziemlich lange her ſein ein Graf gar gewaltig und reich, mit dem wohl wenige auf Erden ſich meſſen konnten. Er wußte das recht gut, wie es die Mädchen wiſ ſen, denen Natur Schönheit gab, da es ihnen der Spiegel und die Schmeich ler zu hundert Malen ſagen; und er rühmte ſich deſſen auch vor aller Welt. Als die Zeit kam, in welcher ſich das Herz in der Bruſt zu rühren anfing, und ſeinen Theil an der Welt begehrte, da ſchaute er rings um ſich im Kreiſe; er ſah wohl gar manches verſchämtes Röslein aufblühen in ſeiner unſchuldigen Schönheit und rührender Lieblichkeit; aber ſeinem Stolze war Schönheit und Adel des Herzens zu geringe; denn da ihn das Geſchik im Leben hoch geſtellt hatte, ſo verlangte er von ſeiner Gattin, daß ſie nicht nur reizvoll und tu gendhaft, ſondern aus vornehmſtem Geblüte entſproſſen ſei, damit ſie würdig lich an ſeiner Seite weile. Nun hörte er viel von wandernden Kaufherren und fahrenden Minneſängern, daß der König Frankreichs eine Tochter beſize, an welcher die Natur alle ihre wunderbaren Gaben verſchwendet habe, und daß ihr Inneres nicht minder den äußeren Reizen entſpreche. Da dachte er nun, dieſe Königstochter wärezallein würdig, ſein adelſtolzes Herz zu beſizen und ſeine Veſizungen mit ihm zu theilen, und er faßte den ſchnellen Entſchluß, un⸗ erkannt das Reich ſeines mächtigen Nachbars zu betreten, ſelbſt zu ſehen, ob der Ruf wahr geſprochen habe, und dann um die Hand der ſchönen Prinzeſſin zu werben.

Es begab ſich zu dieſer Zeit, daß der König ein glänzendes Turnier ausgeſchrieben hatte, wozu ſich die edlen Blumen der Ritterſchaft aus allen