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Sängerin bildete), Neapel, Venedig, Florenz, Palermo, Livorno, Rom, Trieſt u. ſ. w. mit Beifall aufgetre⸗ ten war, befindet ſich ſchon ſeit län⸗ gerer Zeit hier, wo ſie als Sängerin in der italieniſchen Oper ſich nicht nur den Beifall des Thegterpublikume, ſon⸗ dern auch aller Theater- und Geſang— Kritiker(eine ſeltene Uebereinſtim⸗ mung!) erworben hat. Der berühmte franzöſiſche Kritiker, Julius Janin, fällt über ſie und ihren Geſang fol⸗ gendes ehrenvolle und ſchmelchel hafte Urtheil in der Gazette musicale: „Das Außerordentliche in dem Suc⸗ ceß des Fröuleins Unger iſt das, daß derſelbe wunderbarer Weiſe alle Begünſtigungen und Schmeicheleien der Preſſe ſich erworben hat. Als Fräu⸗ lein Unger zu uns kam, kam ſie ganz allein, ohne daß irgend eine jener ſchmeichelhaften Ankündigungen voran—
gegangen wäre welche auch die berühm⸗
teſten Sängerinen anzuwenden nicht
berſchmähen. Sie hatte zu dieſem En⸗
de nichts als ihre mächtige und ſtarke Stimme, ihre ſo verſtändige und ſo lebhafte Seele, ihren muſikaliſchen In⸗ ſtinkt und ihre tiefe Achtung für die Meiſter und Meiſterſtüke ihres Vater— landes. Und hernach war ſie eine Deut ſche v. reinem Stam m), mit kaltem deutſchen Blut, mit deut ſcher Leidenſchaft, mit deutſchem En⸗ thuſiasmus; ſo hat ſie ſich uns vorge— ſtellt de.“ Wir danken dem geiſtreichen franzöſiſchen Kritiker, Herrn Janin, der ſonſt mit ſeinem Lob nicht zu frei— gebig iſt, für dieſe Auszeichnung un⸗ ſerer Landsmännin, und bebauern nur, daß er nicht wußte, daß Fräulein Un, ger aus der Zips in Ungarn abſtammt. iter den vielen Fremden in Pa⸗
) Hr. Janin hätte ſagen ſollen: von Zipſer deutſch- ungariſchem und (von mütterlicher Seite) mähri⸗ ſchem Stamm. Ry.
ris behaupten noch immer Engländer die Mehrzahl; ſie kommen, möchte man ſagen, ſtoßweiſe an. Auch jezt fegen wieder eine Menge von Langröken die Pariſer Straßen, denen die Engländer eine wahre Wohlthat ſind, da ſie doch einigermaßen die Reinigung fördern, Uebrigens hält man dieſe Gäſte in ganz Frankreich hoch, denn obwohl eben nicht viele den Komödien-Zuſchnitt haben, wonach die Straßenjungen in Paris (die Gamins und Nicht-Gamins) ſich ihre Papierdrachen aus engliſchen Bank⸗ noten machen könnten, bringen ſie doch eine höchſt bedeutende Summe jährlich nach Frankreich und die Fülle des Gel— des erhält durch ſie den meiſten Zu⸗ wachs. Von den Deutſchen können die Franzoſen nicht ein Gleiches ſagen, dieſe kommen in der Mehrheit ohne gefüllte Börſen an.— Mad. Alber⸗ tazzi, Sängerin bei der Pariſer Oper, noch in den Jahren, von denen die Damen ſprechen, mit einem Reiz, wel⸗ cher der Jugend nicht widerſpricht, mit einem Talent, das der Schönheit doppelt angerechnet wird, denkt die Welt, d. h. den Theil derfelben, in welchem es Opern häuſer gibt, zu be— reiſen. Sie hat Muth genug, ſich vor dem Norden Deutſchlands nicht zu fürch⸗ ten.— Meyerbeer beabſichtigt eine neue
Oper und hat ſich des halb mit Alexan⸗
der Dumas verbündet, der den dichte— riſchen Theil liefern wird. Es ſind ſchon Stoffe geſammelt und verworfen worden; am meiſten gab dazu die alt⸗ fran zöſiſche Geſchichte her, aber einig war man wenigſtens noch nicht ganz über die Wahl. Ein anderer hieſiger Komponiſt hatte die Idee, die Jeanne d'Arc ſingen zu laſſen, das will nun den franzöſ. Stimmführern gar nicht zuſagen, und mir wär's auch nicht recht. Die Komponiſten aber, die gar zu gern ſprechen: Halbwege geſungen iſt immer noch beſſer als das kahle Spre—⸗


