29
einheimiſchen Ritterkomödien.— Im Joſephſtädter Theater produzirt ſich Hr. Kliſchnigg in einer neuen Faſchings— poſſe, die den bekannten welthiſtori— ſchen Namen:„Gig⸗Gig“ führt, und worin wir Hrn. Kliſchnigg als Affe, Froſch, Tiger und Schildkröte ſehen. Wie viel Thiere kann doch ein Menſch in ſich ſchließen! Es iſt ſo zu ſagen bei uns jezt eine Thierepoche. In allen Vorſtadttheatern hängt man uns ſo ein Beſt an. In der Joſephſtadt: Tiger, Affe, Schildkröte und Froſch; im Theater an der Wien, einen Bä— ren, und geſtern debütirte im Leo— poldſtädter Theater auch ein Aeffchen. Es wurde nämlich geſtern auf dieſer Vühne eine Poſſe zur Aufführung ge— bracht, die eigens für Hrn. Rappo und ſeinen Sohn geſchrieben, und„Siſi— phus“ heißen thut. Das Stük gehört nicht dem Shakſpeare'ſchen Zeitalter zu, doch unterhalten darin die Leiſtungen des Hrn. Rappo, als Siſiphus und ſei⸗ nes Sohnes, als Affe Lori, der recht gelenkig zu ſein ſcheint. Das iſt Alles, was ich weiß.— Reinecke Fuchs. Stuttgart. Dem. Schebeſt aus Peſth iſt überall der Gegenſtand des Tagsgeſprächs. Man kann ſich nicht erinnern, daß hier etwas im Bereiche der dramatiſchen Kunſt dieſen Enthu— ſiasmus erregte. Es iſt nicht zu läug⸗ nen, daß die Sängerin ein Spiel ent⸗ wikelt, wie es ſelbſt bei renommirten Schauſpielern ſelten genannt werden kann, und dabei von einem innern Feuer beſeelt wird, das eben ſo unge⸗ wöhnlich iſt; allein ihr Geſang hält mit dieſen herrlichen Eigenſchaften nicht immer gleichen Schritt, und es wäre der beſcheidenen, ſtrebenden Künſtlerin zu wünſchen, auch hier eine Kunſtſtufe zu erreichen, die ſie über das Gewöhn—⸗ liche erhöbe. Indeß darf nicht geläug— net werden, daß Dem. Schebeſt auch
7
im Vortrage ihrer Parthleen oftmals ſehr gelungene Momente hat. Das große Aufſehen, welches ſie hier macht, zeigt recht deutlich, wie wir in ſolchen Dingen noch zurük ſind, da unſere Darſteller in der Oper, beſonders die weiblichen, das Spiel ſo wenig berük—⸗ ſichtigen, und eine Partie wie die an⸗ dere, todt, kalt und theilnahmlos ge⸗ ben. Iſt es da wohl zu verwundern, daß eine Sängerin hinreißt, wenn ſie im entgegengeſezten Sinne verfährt? Eben ſo wenig, als daß kalte Sänge⸗ rinen auch ihr Publikum kalt laſſen. Dem. Schebeſt hat außer dem tönend⸗ ſten Beifall bei allen ihren Darſtel⸗ lungen, und der Ehre des Hervorru— fens, auch noch Kränze empfangen, die ihr nach dem Othello auf die Bühne geworfen wurden. Zum Beſchluß der Gaſtrollen wiederholte die ſo Gefeierte den Romeo, und die Gnade Sr. Maj. des Königs bewilligte ihr den Ertrag des Abends zur Einnahme. Im Gan⸗ zen trat Dem. Schebeſt nur ſechsmal auf, da ein früher eingegangener Ver— trag ſie nach Karlsruhe ruft, von wo ſie aber— wie verlautet— hieher zu⸗ rükkehren wird, um den Freunden dra⸗ matiſchen Geſanges aufs Neue einen hohen Genuß zu bereiten.— Zum Vortheil des Regiſſeurs Hrn. Rhode, unſers verdienten Komikers, wurde „der Bauer als Millionär“ von Nai⸗ mund, zum Erſtenmal gegeben, ohne zu gefallen. K.
Mignon. Zeitung.
Buntes aus Paris. Die berühmte Sängerin, Karoline Unger, Tochter des aus der Zipſer Kronſtadt Rißdorf in Ungarn gebürtigen, in Wien lebenden Hrn. Karl Unger, die als Sängerin in Opern bereits auf den Theatern zu Wien(wo ſie ſich zur


