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Mißhandlung der Kinder in den engliſchen Nadel⸗ fabriken.
Das Aufſezen der Köpfe auf die Stek nadeln, ſagte unlängſt Hr. Tuff⸗ nell vor der Faktoreikommiſſion aus, geſchieht in den meiſten Nadelfabriken Englands auf folgende Weiſe. Ein großer Saal iſt mit kleinen Tiſchen ange⸗ füllt, und an jedem dieſer Tiſche ſizen vier Kinder von einem Alter, von wel— chem man kaum glauben ſollte, daß die in demſelben befindlichen bejammerns⸗ werthen Weſen zum Vortheile und Gewinne verwendet werden könnten. Die Mehrzahl der Kinder, welche ich nämlich bei dieſem Geſchäfte beſchäftigt ſah, war nicht über 7 oder 8 Jahr alt; ich glaubte mich bei deren Anblike mehr in eine kleine Kinderſchule als in eine Fabrik verſezt. Vor jedem Kinde iſt eine Art von Geſtell angebracht, an welchem ein Gewicht aufgehängt iſt, wel⸗ ches beſtändig in Bewegung erhalten wird, indem das Kind mit ſeinen Füßen auf einen unter dem Tiſche befindlichen Tretſchämel tritt. Die Kinder ſizen beſtändig in 0 förmig gebogener Stellung; der Kopf iſt nur 8 Zoll vom Tk⸗ ſche entfernt, und mit den beiden Armen ſind ſie fortwährend beſchäftigt, die Nadeln aufzuleſen und die Köpfe daran zu ſteken, welche Köpfe dann durch die Schläge des erwähnten Gewichtes an den Nadeln befeſtigt werden. Das Getöſe dieſer Schläge in der Nähe der Ohren der Kinder erzeugt das häufige Ohren⸗ weh, über welches ſo viele dieſer unglüklichen Geſchöpfe klagen. Ich kenne nicht leicht eine läſtigere, beſchwerlichere und einförmigere Beſchäftigung, als man ſie dieſen Kindern aufbürdet; und da ich die Barbarei kenne, mit der man ſie zu dieſer ſchmählichen Arbeit anhält, ſo wunderte ich mich gar nicht, einen Fabrikanten zu treffen, der mich verſicherte, er habe ſein Geſchäft blos deswe⸗ gen aufgegeben, weil er dieſes Treiben nicht länger mehr mit anſehen konnte.
Anelaſten Urtheile. 8 Vegebniss
Pasdedeux mlt ausgezeichneter Virtuo—
ſität tanzte. Hr. Mayſeder würzte es durch ſein herrliches Violinſolo.— Ei⸗
Theater.
Wien(8. Januar). Ich werde mich in meinen Berichten kurz faßen, wenn auch nicht gut, doch wird das Kurze ſchon das Gute ſein.— Im k. k. Hofoperntheater wurde das Bal— let„Silphide“ wieder aufgewärmt, und der Zettel mit den belkebten Na⸗ men Perrot und Griſt kandirt. Herr Perrot iſt das vollendetſte Tanztalent, das ich geſehen, und lieblich ihm zur Seite bewegt ſich Dem. Griſi mit nie distonirenden Fußtrillern u. Koleratu⸗ ren. Silphide gewann nur durch Mit— wirkung dieſes Künſtlerpaares, das ein
ne intereſſante Erſcheinung iſt hier Dem. Lutzer aus Prag, die hier viel Senſation unter den Muſikfreunden macht; ſie trat in der„Norma“ mit entſchiedenem Glüke auf, ſo auch in der„Schreiberwieſe.“ Ich ſah ſie nur in der„Norma“, wo ſie meine Erwar⸗ tungen übertraf.— Im Theater an der Wien gab man ſchon wieder eine Ritterkomödie, unter dem obſkuren Titel:„Der geheimnißvolle Unbekann⸗ te, oder: die Waiſe des Tempelhofes““ mit einem Vorſpiele:„der ſchwarze Ritter“ und ging den Weg aller hier


