Jahrgang 
Band 1 (1837)
Seite
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der Flamme ſchweben, bis das Stroh unter mir ausgebrannt war. Wor⸗ auf ſie mich auf die glühend heißen Steine hinwarfen. Als dieſes, mei⸗ nes jämmerlichen Schreiens ungeachtet, ihnen noch nicht hart genug däuchte, weil noch keine Dukaten und Rubel zum Vorſchein kamen: ſo wurde das übrige Stroh angeſtekt und ich alſo halb nakend in die Flammen geworfen und an dem Strik feſtgehalten, da indeſſen, während der Rükeg in der Glut lag, meine entblößte Bruſt und mein Unterleib mit den Kantſchuen gepeitſchet wurden. Hierauf führten ſie mich, der ich vor Mattigkeit kaum ſtehen konnte, in des Schulzen Haus, wo die Uebrigen vor der Kirche zu Pferde hielten. Und weil nichts übrig war, als der Tod, ſo wurde mir derſelbe angekündigt. Sie ent⸗ blößten ihre Säbel mit einem gräßlichen Geſchrei. Der Eine riß mir den Kopf an den Haaren herunter zu ſeinen Knien, und ich erwartete nun den lezten Streich, daher ich auch hier, wie bisher, meine Seele in Gottes Va⸗ terhände befahl. Aber die gedrohten tödtlichen Hiebe verwandelten ſich in grim⸗ mige Schläge mit der Fläche und dem Rüken ihrer Säbelklingen auf meinen. verbrannten und aufgeſchwollenen Rüken.

Nunmehro folget ein neuer Auftritt in dieſer Tragödie. Denn nun ſollte es auf die Kirche los gehen. Sie führten mich alſo dahin. Nach dem ſie aber an der verſchloſſenen Thüre vergeblich Gewalt gebraucht, ſo brachen ſie durch ein Fenſter hinein. Hier erhub ſich ein Jammergeſchrei, als vier in die Kirche eingedrungene Koſaken mit grimmigen Schlägen und Abreißung der Kleider unter den armen Leuten wütheten. Der größeſte Theil derſelben ſuchte ſich durch die Thür am Giebel zu retten. Aber welch ein Elend! als das Schlagen und Plündern nun auf dem Kirchhofe anging! Jedoch für mich war dieſes wohl der betrübteſte Anblik, als ich meine liebe Frau unter den Hän⸗ den dieſer Mörder ſah, welche ſie zur Erden ſtießen und eines Theils ihrer Kleider beraubten, indem ein Koſake mich am Strike, mit bloßem Haupt und Füßen, im Hemde, mit Blut bedekt, zu ihr führte, über welchen kläglichen Anblik ſie auch ſchmerzlich gerührt wurde. Jedoch meine Fürbitte, ihrer zu ſchonen, weil ſie krank wäre, lenkte unter göttlicher Regierung der Mörder Herzen, daß ſie halb bekleidet, ohne andere Gewaltthätigkeit losgelaſſen wurde.

Meine armen Kinder liefen unterm Haufen mit kläglichem Geſchrei her⸗ um, kamen aber alle glüklich davon, außer daß die mittelſte meiner fünf Töch⸗ ter, ein Kind von 9 Jahren, unbarmherzig braun und blau gepeitſchet, und ein Theil ihrer Kleidung ihr abgeriſſen wurde.

Dies ſind einige Umſtände des erlittenen Unglüks, wobei ich aber auch in Demuth und Dankbarkeit des Herrn wunder bare Providenz und Güte er kenne und anbete. Mitten in dieſen harten Prüfungen wurde ich ausgerüſtet mit einem unerſchrokenen Muthe und feſtem Vertrauen auf Gott, in deſſeu Ermangelung ich für Furcht, Angſt und Schreken hätte müſſen des Todes ſeln. Der Troſtſpruch wurde in meiner Seele lebendig:Gott leget uns eine Laſt auf, aber er hilft uns auch. Dieſe Hilfe des Allmächtigen erfuhr ich au a in der That, da die mehr als hundert Schläge, deren jeder recht ebe war, augenſcheinlich gehemmt und aufgehalten wurden. Des Feuers Kraft wurde aus gelöſcht(Ebr. C. 11, V. 34) und verbrannte nur die äußerliche Haut. Ja der treue Gott erfüllte ſeine Verheißung(Jerem. E. 45, V. 2) So du ins Feuer geheſt, will ich bei dir ſein, daß du nicht ſollſt brennen