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und zu trinken nicht aus eigener Erfahrung kennt, kann ſich keine Vorſtellung davon machen. Das Diner beginnt mit Suppe, Fiſch, Kohl und Kartoffeln.
„Wünſchen Sie Suppe oder Fiſch?“ fragt die Frau vom Hauſe.
Der Fremde wundert ſich über eine ſolche Frage und verlangt Suppe⸗ Dies iſt gewöhnlich ſogenannte Schildkrötenſuppe; wer nicht daran gewöhnt iſt, bringt es gewiß nicht über einen Löffel voll. Der zweite Gang erſcheint: ein Stük Rinderbraten, roast beef genannt; eine heiße Paſtete in einer Terrine und ein Teller voll Kartoffeln neben wer⸗ ßer TCauce. Den dritten Gang bilden Süßigkeiten, z. V. Marmelade neben einem Pudding. Bei jedem Gange beſteht die Regel, daß man zwiſchen den aufgetragenen Gerichten ſich für eins ausſchließlich entſcheiden muß. Beſon⸗ ders beliebt ſind die Puddings, denen man ſeltſame Namen gibt; ſo heißt einer: a dog in a blanket(ein Hund in einer Deke). Iſt der Pudding und die Marmelade abgetragen, ſo bringt man— was?— Salat und Käſe. Die Engländer ſind origenelle Menſchen. Waſſer ſieht man durchaus nicht auf der Tafel; Alle trinken reinen Wein. Troz ihrer faſt holländiſchen Reinlichkeit eſſen ſie ohne Serviette und wiſchen ſich die Finger an dem Tiſchtuche ab. Dagegen wird bei jedem Gerichte mit den Tellern, Meſſern und Gabeln ge wechſelt, die in den anſtändigen Häuſern ſtets von Silber ſind.— Bei Tiſche werden fortwährend Geſundheiten getrunken. Derjenige, welcher mit einer ſolchen Geſundheit beehrt wird, muß mittrinken. Es iſt eine Herausforde⸗ rung, ein Zweikampf.— Das Oeſſert wird erſt aufgetragen, wenn das Tiſch⸗ tuch weggenommen iſt. Sie meinen wahrſcheinlich, da dies die allgemeine Ser⸗ viette ſei, habe man es bei dem Deſſert nicht mehr nöthig.— Hat man nun einige Stunden ſo bei Tafel geſeſſen, ſo erhebt ſich die Frau vom Hauſe und alle Anweſenden folgen ihrem Beiſpiele. Die Damen entfernen ſich; die Her⸗ ren aber ſezen ſich ernſthaft von neuem an den Tiſch, und zwar, um nun ernſtlich von dem Weine zu trinken, den man vorher nur gekoſtet hat. Dies dauert wenigſtens wieder eine Stunde, und die Unterhaltung iſt dabei ſehr lebhaft.— Nach dieſem Trinkgelage begibt ſich die Geſellſchaft in ein anderes Zimmer zu den Damen, um Kaffe zu trinken. Gleich nach dieſem folgt der Thee, und den Schluß bildet die Nachtmüze(night cap), wie man den Grog nennt, ohne den ein Engländer nicht zu Bett gehen kann.
Ein neuer Robinſon.
Die Stadt Lorient beſizt gegenwärtig einen neuen Robinſon in ihren Mauern. Zur Zeit der Kriege des Kaiſerreichs wurde J. F. Leonard, der in der kaiſerlichen Armee diente, gefangen genommen und in die Pontons von Cadix gebracht. Man weiß, daß mehrere dieſer Unglüklichen, welche der Tod in jenen ſchwimmenden Gefängniſſen erwartete, ſich demſelben durch die Flucht zu entziehen ſuchten. Einigen gelang es, ſich ſchwimmend zu retten. Leonard, der in der Nacht entflohen war, nahm eine falſche Richtung und ſtieß, nach⸗ dem er lange auf einem Boote auf dem Waſſer herumgetrieben worden war, auf eine algierſche Feluke, die ihn mit an die Küſte der Berberei nahm. Nach⸗ dem er mehrere Jahre bei ſeinem Herrn, der ihn gekauft hatte, Gärtnerdienſte


