22
verrichtet hatte, verfiel Leonard wieder auf dle ſixe Idee aller Gefangenen und aller Sklaven, und dachte an nichts als an die Flucht. Er traf ein Schiff, das auf den Negerhandel ausfuhr und wurde von demſelben aufgenommen, aber bei der Ankunft an der Küſte ausgeſezt. Lange bewohnte er ein ödes Land im ſüdlichen Afrika, und er mußte dort ſein Leben gegen Menſchen, wilde Thiere und die Elemente vertheidigen. Leonard war indeß glüklicher als Robin⸗ ſon, der nur Freitag traf, denn er fand in Afrika ein Mädchen, das ſich ent⸗ ſchloß, ſeine Gefahren zu theilen. Sechs Kinder, die Frucht dieſer Verbin— dung, ſind vor Kurzem mit ihrem Vater in Lorient angekommen. Leonard war über fünfundzwanzig Jahre abweſend. a
Ehe und Handel.
Die Ehe iſt ein Handel, und zwar ein Tauſchhandel. Ein Theil gibt ein Herz, das Andere ein Herzchen. Jenes iſt größer, dieſes beſſer. Käufer nnd Verkäufer fahren gut, wenn ſie ſelbſt unterhandeln. Mäkler preiſen die Waare zu ſehr und Providenz ſcheut ſich bei dieſem Handel vor der Proviſion. Ehe und Handel werden geſchloſſen, und ſie haben doch nichts verbrochen— aber aus dieſer Kette gibt's kein Entlaufen, und leſe man auch das„travaux for- cés““ auf dem Geſichte des BVetheiligten. Ehen werden im Himmel geſchloſſen, der Handel in dem Kaufmanns-Himmel, der Börſe. Bei der Ehe wünſcht der Mann zu kaufen und das Mädchen ſagt„ja“, aber mit einem Ausdruk, wel⸗ cher zu verſtehen gibt, daß der Artikel ſehr viel Frage am Markte habe. Nie— mand iſt froher als Derjenige, welcher den Schluß⸗Zettel des Ehe-Handels er— hält, den erſten Verlobungskuß. Handel kennt keine Freundſchaft, die Ehe auch nicht, ſondern nur Liebe, miſcht ſich die Freundſchaft hinein, ſo wird es ein böſer Handel. Kennerſchaft nuzt wenig, man muß immer auf Glauben kaufen. Wie es ſehr ſelten iſt, daß mit einem bedeutenden Handel beide Thei⸗ le, ſobald ein hübſches Stükchen Zeit darüber weggelaufen iſt, vollkommen gleich zufrieden ſind, ſo trifft ſich's auch zuweilen beim Ehe⸗Handel, daß nach eini⸗ gen Jahren Jeder heimlich denkt:„Ein klein wenig bin ich doch übervor⸗ theilt worden!—“ Eduard Dunker.
Der Affe und der Maler.
„Oeſtern,“ berichtete man aus Marſeille,„arbeitete ein Maler auf ei⸗ nem an zwei Seilen hängenden Gerüſte an einer Handelsbrigg, die vom Se— negal angekommen war, um das Bild des Schiffes wieder aufzufriſchen. Ein großer Affe ſah dem Künſtler durch ein Loch im Schiſfe aufmerkſam zu, begnügte ſich aber nicht mit der Rolle eines Beobachters, ſondern benahm ſich bisweilen als ſpottender Kritiker, lachte laut und knirſchte dabei mit den Zähnen, als wolle er den Maler verhöhnen. Dieſer war endlich der Poſſen des Affen über— drüſſig, und überſtrich ihm mit einem großen Pinſel das ganze Geſicht, worauf ſich das Thier im Kielraume verſtekte.
Der Kapitän der Brigg, welcher den Charakter ſeines Affen kannte, rieth dem Maler, vor der Rache des Thieres auf ſeiner Hut zu ſein; aber


