Jahrgang 
Band 1 (1837)
Seite
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ſten ſchließen und die rothſeidenen Gardinen herablaſſen, um, wie ich ſagte, Kühle zu erhalten. Jedoch eigentlich nur, wie ich mir leiſe geſtand, um einen wirkungsvoll ſchattirten Hintergrund für meine Geſtalt zu haben.Drei ßig Jahre! ſagte ich ſeufzend, indem ich in die offene Thüre des Saales blikte, wo mein Bild, im brautlichen Schmuk gemalt, hing. Um mich bis zu der Stunde des erwarteten Beſuches zu zerſtreuen, ließ ich mir Schreibzeug geben, und ſchrieb an meinen Sohn am Dnieſter und vertiefte mich ganz in dieſen Brief. Die Thüre zum Vorzimmer war offen, durch den Trümauſpie⸗ gel konnte ich ſehen, wer dort eintrat. Eben hatte ich mit Muttergefühl das Schreiben geendet, als ich aufblikte, und durch den Spiegelreflex meine Kam⸗ merfrau mit einem Fremden ſich beſprechen ſah. Dieſe umfangsreiche breite Geſtalt ſchien mir ganz fremd. Wie ſtaunte ich, als mir Graf Don gemeldet ward, und er ſelbſt darauf eintrat! Ore ißig Jahre, was vermögen dieſe nicht! Aus dem ſchlanken wohlgebauten Jüngling war nun eine beleibte ekigte Geſtalt geworden, das Einzige, was an ihm auszeichnungswerth gewe⸗ ſen, war von ihm gewichen, oder eigentlich von Fett umraumt. Sein Ge⸗ ſicht? ach, was iſt es doch Schönes um die Häßlichkeit! Es verzweifle Niemand, welcher in der Jugend unſchön iſt; der Spätherbſt des Lebens glättet alles Unebene aus. So hatte Graf Don durch die zugekommene Fülle gewonnen. Die Pokenfurchen waren minder tief, die braune Hautfarbe war weiß geworden, aber freilich hatten auch di e Dreißig Jahre den ſchwar⸗ zen Krauskopf ins Silberfarbe verwandelt. War das der kühne Reiter? der gewandte Tänzer 2 er ſchien mir eine ganz andere Perſon zu ſein, als die, die ich unter dem Namen Graf Don gekannt. Und ich war ich nicht auch um Dreißig Jahre älter? Der Jugend Fülle, der Schmelz der Wangen, der Augen Glanz, Alles dieſes ward von der Zeit hinweggenommen. Dank ſei es der Mode, die meiner nun hager gewordenen Geſtalt einen bedeutenden Umfang gab, die mich der Vergangenheit in etwas verähnlichte, und ſo den Abſtand weniger bemerklich machte. Geübt in der Sprache der feinen Welt, verriethen wir gegenſeitig nichts von unſrer Ueberraſchung. Zwar erinnerte der Graf ſich mit Zartheit an den glüklichen Aufenthalt in Warſchau, aber er vermied es, die Zeit die dazwiſchen lag, zu berühren; wir tauſchten ge genſeitig den Bericht unſrer Familienſchikſale. Er war glüklich verheirathet und ſchonGroßvater. Bei dieſem Worte konnten wir Beide uns nicht enthalten auszurufen:Es ſind ſchon Dreißig Jahre. und ſomit wurde ein unbefangener Urterhaltungston eingeleitet, in welchem ſich noch oft der alte Graf Don und die alte Gräfin Rz.. beſprachen. Als nun ber Graf wie der auf ſelne Beſizungen reiſte, und ſeine Abſchiedsviſite bei mir gemacht hatte, ſeufzte ich unwillkührlich, daß auch ſeit meiner Blütenzeit Orei ßig Jahre dahingeſchwunden. Denn nie dringt ſich uns ſo die Vetrach tung entfloſſener Jahre auf, als wenn wir die neben uns aufgeblühte Spröß⸗ linge, als dürre Reiſer wieder ſehen. Dreißig Jahre iſt eine lange Zeit! C. Hofmann.

Ein engliſches Diner.

Wir haben neulich ein engliſches Frühſtük beſchrieben, hier ſoll die eines Mittagsmals folgen. Wer die engliſche Küche und dle engliſche Art zu eſſen