f ii r
Kunst, Eleganz und Mode.
Vebuler gabe qaucg.
3. Mittwoch, 11. Januar. 1837.
Die Drangſale des Predigers Johann Chriſtoph Leh- mann, zu Clausdorf bei Berlinchen ig der Neumark.
Ein Beitrag zur Eharakteriſtik des ſiebenjährigen Kriegs.
So hat denn der treue Gott uns, wiewohl unter vielen Trübſalen, ein Jahr beſchließen und ein neues Jahr(1760) anfangen laſſen. Der entſezliche Krieg, der ſchon ſeit 1756 faſt ganz Deutſchland verwüſtet, hat auch uns hie— ſiges Ortes unbeſchreibliches Elend erfahren laſſen! Zwar die erſten zwei Jahre dieſer jämmerlichen Kriegs-Unruhen haben wir durch Gottes Gnade in Ruhe zu— gebracht, und da alle Provinzen unſeres theuerſten Königes, Preußen, Schle— ſien, Oſt⸗-Friesland, Magdeburg und Ukermark von den Ruſſen, Oeſterrei— chern„Franzoſen, Reichs-Truppen und. Schweden jämmerlich heimgeſucht wor den, ſo war unſere Neu-Mark die lezte, welche von feindlichen Völkern be— treten, die aber unterzallen auch wohl das härteſte Schikſal erfahren hat. Denn da im Juni 1758 die Ruſſen aus Preußen bei Neuen-Stettin eingedrungen und an der Grenze im Dramburgiſchen und Arenswaldiſchen Kreiſe faſt alle Dörfer ausplünderten und die Menſchen aufs grauſamſte miß handelten: ſo lebten wir auch hieſiges Ortes in Furcht und Schreken. Ja es kam ſo weit, weil die Ruſſen ſchon bis Tankow und Kriening(ungefähr 14 Stunde weit) kamen, daß die hieſigen Einwohner einige Mal in die Büſche und Wälder flüchteten oder an andern Orten Sicherheit ſuchten. Jedoch den 50⸗ſten Auguſt zog ſich erſt ein recht trübes Ungewitter über dies arme Dorf zuſammen. Denn als nach der Bataille bei Zorndorf das Rumanzowſche Korps 10 bis 12000 Mann ſtark in ſeiner Retirade von Schwedt nach Landsberg bei Verlinchen ſich la— gerte: ſo wurde Clausdorf plözlich überfallen. Alles rettete ſich mit der Flucht und ich mußte mit Verlaſſung des Meinigen, mit meiner ſchwächlichen Frau und ſechs Kindern, worunter ein bettlägrig krankes und ein ſäugendes war, 21 Tag im kalten Regenwetter zu Fuße nach Rehfeld, von da nach Ho—


