Jahrgang 
Band 1 (1837)
Seite
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hen-Graap herum ürren. Indeſſen wurde auch mein Haus, wle. das ganze Dorf geplündert, Pferde, Vieh, Bienen u. ſ. w. weggeraubt und uns nicht ein Stük Brods gelaſſen. Aber das war nur der Anfang unſeres Elendes. Denn als einige hundert Koſaken auf Mückenburg ſich lagerten: ſo mußte ich nebſt den Meinigen nach Bernſtein und zu Fuße retiriren und 7 Wochen küm⸗ merlich daſelbſt leben. Inzwiſchen wurde auch Korn und Heu weggeraubt, und Häuſer, Thüren, Fenſter und Oefen u. ſ. w. zerſchlagen. Aber noch nicht Elend genug! Denn in Bernſtein wurden meine Frau und Kinder krank. Meine Frau lag 4 Wochen elend an der rothen Ruhr, und das kleinſte Kind wurde durch dieſe ſchmerzliche Krankheit den 1. Oktober in des Hrn. Prediger Wegners Hauſe ſelig aufgelöſet, und in der Nacht, weil man am Tage für die Ruſſen nirgend durchkommen konnte, hierher gebracht und von mir ſelber in der Kirche begraben. Als nun am 20. September die ganze ruſſiſche Armee auf dem Marſch von Landsberg nach Stargard zwiſchen Berlinchen und Dieck eine Station nahm, und 500 Koſaken etliche Wochen lang bei Berlinchen ſte⸗ hen blieben und Tagtäglich in allen benachbarten Dörfern fouragirten: ſo fand ſich aufs Neue Jammer und Noth ein. Nun wurde zwar unſere Gegend kurze Zeit darauf von dieſer Noth befreiet und noch etwas Korn kümmerlich in die Erde gebracht. Aber mit dem Anfange des verwichenen Sommers wurde hier Alles wieder in Schreken geſezt, als einige hundert Ruſſen und Pohlen durch Arenswalde bis Stargard ſtreiften und viele hundert Stük Pferde und Rindvieh wegraubten, auch blutige Fußtapfen an vielen Orten hinter ſich ließen. Aber die unglükliche Bataille bei Kunersdorf, den 12. Auguſt, zog betrübte Folgen nach ſich, und nachdem inſonderheit im Sternbergiſchen Alles verwüſtet, ſo brachen 180 Koſaken den 31. Auguſt unterm Kommando eines, Lieutenants von Brincken durch Landsberg in die Neu⸗Mark, gingen auf Sol- din und von da in dieſe Gegend, durch welche erſchrekliche Invaſſon viele Tau ſend unglüklich gemacht, und auch über mich Armen recht ſchrekliche Trübſale geführt worden. 1

Es war den 2. September, als den XII Sonntag nach Trinkt., da ich Tags zuvor hier in Clausdorf Beichte gehalten, und alſo mich genöthigt ſahe, im Dorfe zu bleiben, ob wir gleich den Sonnabend Abends von der Ankunft der Ruſſen in Berlinchen Nachricht bekamen. Sobald wir am Sonntag früh von den Häuſern ſahen die Ruſſen die Straße nach Bernſtein ziehen, und we gen der ſtreifenden Parteien in Sorgen ſtunden: ſo faßten wir den Entſchluß, die Frauens⸗Leute und Kinder in die Kirche zu verſchließen, und die übrigen Einwohner ſtanden nebſt mir größeſten Theils auf der Straße verſammelt. Ge gen 8 Uhr kam eine Räuberbande von 16 Koſaken von der Rauſch⸗Mühle her angeritten. Sechs Koſaken ſtiegen ſogleich von den Pferden und gingen auf mich los, da indeſſen die andern mit ihren Spießen und Peitſchen die Leute anseinander jagten, bis der Eine hier, der Andere da ſich verſtekte. In einem Augenblik ſah ich mich von allen Menſchen verlaſſen und mit dieſen Unmenſchen umringt. Ich reichte ihnen auf ihr Geſchrei:Gib Geld! einen Thaler, den ich zu mir geſtekt. Aber das wurde, als nicht hinreichend, mir wieder zurükgeworfen, und auf die Erde geſtreut, mit den Worten:Gib Dukaten, gib Rubel! Sogleich griffen ſie auf dem Plaz vor'm Kirchhofe alle Sechs zu, faßten meine Arme, zerrten mich auseinander, entblößten mir den