Jahrgang 
Band 1 (1837)
Seite
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tem Geſchmak; man wird es ſublim und zärtlich finden und die Prinzeſſin muß ſich für dieſes Opfer dankbar bezeigen.Der Gedanke iſt gut, er⸗ widerte der Varonet;da es jedoch eine ernſte Sache iſt, ſo bitte ich Sie, mir zu erlauben, das Ganze zu überſchlafen.Wie es Ihnen gefällig iſt, Mylord.

Sir Williams empfahl ſich und verließ, meinen Freund. Am andern Morgen erfuhr man, daß er bereits in der Nacht mit beiden Füßen nach Lon don abgereiſt war, und daß die ruſſiſche Fürſtin ihm aus magnetiſchem Rap port gefolgt ſei.

Mein Freund blieb in dem ungeſtörten Veſiz ſeiner beiden Pantoffeln.

Ein Dichter in Paris.

Auch in Frankreich ſterben noch Dichter Hungers. Der Tod der Eliſe Mercoeur iſt bekannt; jezt iſt Malfilatre ebenſo geſtorben.

Vor einem Jahr ungefähr war er nach Paris gekommen; er war jung, leicht, ſchnell, batte ein offenes Auge und einen lächelnden Mund. Er trug den Kopf im Naken und ſang. Er glaubte ſein Ziel erreicht zu haben; denn ſeit ſeiner früheſten Jugend beſchäftigten ihn nur zwet Gedanken! Paris und der Ruhm. Mit ſeinem Eintritt in Paris glaubte er auch ſchon den Ruhm ſich angeeignet zu haben. So voll Hoffnung war er; er brachte Gedichte, Ro mane und Vaudevilles mit ſich. Dies war ſein ſchwerſtes Gepäk. Er glaubte, bald davon befreit zu ſein. Allein die Verleger, bei denen er ſich einführt, fragen ihn, ob er einen Namen habe. Er erwidert, daß er binnen Kurzem dahin zu gelangen hoffen dürfe. So erlangt ihn erſt, antworteten die Ver⸗ leger, und dann wollen wir ſehen. Er wendet ſich hierauf an die Theater. Hier dieſelbe Frage, dieſelbe Antwort, dieſelbe Abweiſung. Und doch mußte er leben. Leben ohne Eltern, ohne Freunde, ganz allein. Das iſt ein hartes und ſchweres Stük Arbeit. Allein er verlor den Muth nicht, und klopfte über⸗ all an. Hier fragte man ihn, ob er die doppelte italieniſche Buchhalt ung verſtünde? dort: ob er ein Stük Mouſſelin von einem Stük Chaly unter- ſcheiden könne? Er wußte Beides nicht und geſtand beſcheiden, daß er nur Griechiſch und Latein und etwas von der Chemie wiſſe. Man ſchloß ihm die Thüre vor der Naſe. Mit dieſen Hinderniſſen wuchs indeß ſeine Energie. Er verkaufte ſeine Wäſche, ſeine Kleider, einen Ring, das lezte Andenken einer angebeteten Mutter. Dafür kaufte er Bretter, einige Nägel, einen Hammer und zimmerte ſich ſelbſt einen Schoppen, worauf er mit großen Buchſtaben ſchrieb:Oeffentlicher Schreiber.

Acht Tage verſtrichen und Niemand kam, der ſeine Dienſte in Anſpruch nahm. Jedes Schamgefühl weit hinter ſich laſſend, denn er fühlte Hunger, überſchritt er endlich die Schwelle ſeiner elenden Hütte und ſezte ſich auf einen nahen Ekſtein. Hier zeigte er den Vorübergehenden ſeine tiefen Augen, ſeine weißen Lippen. Die Vorübergehenden ſahen dieſes lebende Geſpenſt und riefen dabel:Dieſer Menſch iſt betrunken, er kann ſich kaum aufrecht erhalten.

Vor ein Paar Tagen las man in den Pariſer Blättern:Man hat in der Straße des val de grace den Leichnam eines armen öffentlichen Schreibers