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gefanden, der den härteſten Entbehrungen unterlegen zu ſein ſcheint. Er war mit einem ſchlechten Roke bekleidet und batte nicht einmal ein Hemd an. Dle Beſichtigung des Leichnams zeigte das ſchreklichſte Elend.“—„Bah!“ ſagten
hierauf die Stuzer mit gelben Handſchuhen,„wie kann man in Paris vor Hunger ſterben!“
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Wenn ein öffentlicher Tanz irgendwo iſt, ſo ſagt man: es ſei dort ein Ball. Was ſonſt ein Ball ſei, wiſſen wir; aber woher kommt es, daß man den öffentlichen Tanz einen Ball nennt?
Dies rührt von einer altdeutſchen Sitte her, die ſich noch in einigen niederſächſiſchen Dörfern erhalten hat. a
Am zweiten oder dritten Oſtertage verſammelten ſich die erwachſenen Mädchen des Dorfes, um den neuen Frauen, auf deren Hochzeit ſie getanzt hatten, einen mit Wolle oder Federn ausgeſtopften und mit Seidenzeug über— zogenen ſehr großen Bahl zu überreichen. Dieſer Ball wurde in einem Auf— zuge auf einer geſchmükten Stange durch das Dorf getragen, dann vor dem Hauſe der jungen Frau aufgepflanzt, und endlich ihr in ihrem Hauſe ſelbſt überreicht. Sie dagegen war nun verpflichtet, der Geſellſchaft freie Muſik zum Tanze zu geben. Wie viele junge Eheleute im Dorfe waren, ſo Vie— len ward auch ein Ball gegeben— und auf jedem Ballgeben wurde getanzt.— Vermuthlich wollte man der jungen Frau mit ſolchem Woll- oder Feder-Vall⸗ in fröhlicher Unſchuld einen Beitrag zu dem nun bald nöthigen Wiegenbette einhändigen. ö
Unſere Urväter hatten viele ſchöne Volksfeſte, welche zum Theil einge— gangen, zum Fbeil durch die Zeit verändert ſind und ihre urſprüngliche Be— deutung verloren haben.
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Die Römer liebten die Roſen leidenſchaftlich. Cleopatra empfing ihren Antonius in einem Gemache, wo dik geſtreute Roſenblätter ein üppiges Lager bildeten und Antonius verlangte, daß ſein Grab mit dieſen Blumen bedebt werde. Die römiſchen Heerführer, wenn ſie mit Lorbeeren gekrönt nach Hauſe heimkehrten, baten um die Gnade, Roſen-Guirlanden auf ihren Schildern elngraben zu laſſen. Roſenwaſſer war der geliebteſte Wohlgeruch der römi— ſchen Damen und nichts ging ihnen darüber, ſich deſſen im Bade zu bedienen.
Im Orient war die Roſe ſtets die Blume der Sänger; Gül und Bülbül die Liebe der Nachtigal zur Roſe, iſt durch unſere Dichter in Ueberſezungen und Nachahmungen auch den Damen hinlänglich bekannt worden.
In einem minder bekannten Gedichte des berühmten Atter,„Balbül Nameh“,(das Buch Nachtigall) erſcheinen die Vögel vor dem Könige Salo— mo und klagen die Nachtigall an, daß ſie Nachts durch ihre ſehnſüchtigen Liebesklagen ihre Ruhe ſtöre, und ſie mit wildem Feuer erfülle. Hlerauf läßt der König die Nachtigall vorladen, die ſich geſchikt zu vertheidigen weiß.


