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meinen Freund; es warf ihn in ſeinen Seſſel zurük und er balanzirte die Füße in der Luft. Auf den Inſulaner machte dieſes keinen Eindruk. Als mein Freund ſich etwas erholt hatte, erwiderte er mit Anſtand:„Varonet, ich kenne die Pflichten der Gaſtfreundſchaft, und blos Ihrem Rechte als Fremden ſchreiben Sie meine aufrichtige und einſylbige Antwort zu. Sie fragten mich: ob ich in die Prinzeſſin verliebt ſei? und ich antworte Ihnen: Nein!“— „Das iſt gut.—„Es iſt weder gut noch ſchlimm; allein es iſt ſo.“—„Sie haben mir meine engliſche Frage zu gut gehalten und ich will Ihnen ihre kon— tinentale Luſtigkeit nicht übel nehmen.“—„Es iſt ein Austauſch, der unſere Freundſchaft nur enger knüpfen wird. Es lebe Altengland!“—„Es lebe der Kontinent!“ erwiderte Williams, indem er ſeinen Stok ſchwang.„Sie ſind in die Prinzeſſin nicht verliebt, aber ich liebe ſie wahnſinnig. Hören Sie mich an!“ Er ſtand auf und öffnete ein Fenſter:„Sehen Sie hier, meine Equi— page, mein Herr.“ Seine Equipage beſtand aus einem himmliſchen Phaeton und zwei Pferden, wie man nie ſchönere in Hydepark geſehen bat.—„Das iſt ein königliches Geſpann,“ rief mein Freund aus.—„Königlich 2“ fragte der Andere,„ich kenne keinen König in Europa, der ſolche Pferde beſizt. Gefal— lrn Sie Ihnen: mein Herr“„Außerordentlich.“—„Wollen Sie ſie 2. —„Erklären Sie ſich deutlicher, Mylord, und ſagen Sie mir den Preis, wenn Sie ſie verkaufen wollen.“—„Ich will einen enormen Preis dafür.“— „Sprechen Sie.“—„Ich will für dieſe zwei ferde die beiden Pantoffeln, die Sie geſtern Abend gewannen. Für jedes Pferd einen Pantoffel.“
Mein Frennd konnte nicht mehr lachen, er hatte ſich ſchon ausgeſchüttet. Er erwiderte daher mit ernſter Miene:„Ich verſtehe Mylord, Sie wollen mir ihre Pferde für meine Pantoffeln geben, damit die Prinzeſſin erfahre, welch' bohen Preis Sie für ihre Handarbeit geben und ſich dadurch rühren laſſe. Vortrefflich! dieſe Art zu handeln iſt ganz engliſch und ich mache Ihnen keinen Vorwurf darüber. Allein der Tauſch iſt dennoch unmöglich; denn was Ihnen Ehre brächte, bereitete mir nur Schande. Man würde ſagen, daß ich Ihre übermäßige Leidenſchaft zu meinem Vortheile ausgebeutet habe. Ich kann daher von meinen Pantoffeln keinen ablaſſen, Mylord““—„Aus Varm—⸗ berzigkeit, mein Herr!“—„Nein! auf ſolche Weiſe iſt es nicht möglich. Und doch wollte ich ſo gerne dieſe Pantoffeln in Ihren Händen wiſſen, da ich ſie wahrlich nicht zu tragen wünſche. Wir müſſen ein Mittel erſinnen. Schenke ich ſie Ihnen, ſo iſt ihr Zwek verfehlt; denn wenn ſie kein Opfer dafür brin— gen, ſo wird Ihnen ihr Beſiz auch nicht als Verdienſt an gerechnet werden. Uns darum zu duelliren iſt eben auch nicht praktikabel, da ich keinen Werth darauf lege. In ſolchen Fällen muß es ſich um einen für beide Theile gleich wichtigen Preis handeln.“—„Ich verſtehe.“—„So denken wir denn darü— ber nach, etwas zu erſinnen, das Ihnen zur Ehre gereicht, ohne daß meine Delikateſſe darunter leidet.“
Sie ſuchten lange Zelt; endlich ſagte der Engländer:—„Ich kann nichts erſinnen.“—„Ich aber,“ ſprach mein Freund,„habe etwas gefunden. Wird Ihnen kein Opfer zu ſchwer werden 7—„Keines: ſprechen Sie.“ —„Wohlan. Ich will den einen Pantoffel verbrennen und Ihnen den andern geben. Wenn Sie nunmehr nur einen Pantoffel haben, was ſoll denn das an— dere Bein? Laſſen Sie es abnehmen. Dies Beinabnehmen zeigt von ſehr gu—


