Jahrgang 
Band 1 (1837)
Seite
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Kinder. Dieſer Graf Don wollte nach dreißig Jahren mir ſeinen Beſuch abſtatten! In der That, ich fand mich in einer ſeltſamen Situation. Wäre er mir ehemals mehr als ein gewöhnlicher Geſellſchafter geweſen, ſo hätte es in mir eine angenehme Behaglichkeit hervorgebracht, und das Wieder ſehen würde mir willkommen geweſen ſein. So aber empfand ich mehr eine Miſchung von Verlegenheit und einer ſeltſamen Eitelkeit, da ich denken konnte, er habe mein jugendliches Bild in der Erinnerung bewahrt. Und nun nach dreißig Jahren! Welche Veränderung geht da mit unſerm ganzen Organismus und beſonders in den Geſichtszügen vor! Auch ſein Bild, wie ich es zulezt geſehen, ſtand jezt in der Erinnerung vor mir; im geſchmak vollen Reiſekleid, das ſeinen ſchlanken Körper noch ſchöner hervorhob. Doch wenn man in ſein Geſicht blikte, erloſch das Wohlgefallen augenbliklich, jeder gemüthliche Ausdruk entſtellte es noch mehr, ſelbſt die Thräne in ſeinem ſeelenloſen Auge ließ mich kalt, da ſeine Züge durch den Schmerz der Tren nung noch widriger verzerrt wurden. Endlich gewann die Neugierde, wie er wohl jezt nach dreißig Jahren ausſehen möge, die Oberhand, und ich war begierig ihn zu empfangen.(Beſchluß folgt.)

Der Engländer und die Pantoffeln. f

Vor einem Monat ungefähr ſaß ein guter Freund von dem Erzähler dieſes Vorfalls in den Salon der Frau von De Er ennuyirte ſich auf die nobelſte Weiſe von der Welt an einem Tiſche, wo drei Jahrhunderte in vier Ausgaben ſich den ſtillen Freuden eines Boſtons überließen, als die Frau vom Hauſe es der Geſellſchaft ankündigte, daß ſie einige weibliche Arbeiten für die Armen ihres Viertels ausſpielen wolle. An jedem Gewinne war der Name der Verfertigerin befeſtigt und der Preis war den treuen oder ungetreuen Anbetern dieſer Dame überlaſſen. Neben unſerm Freunde ſeufzte ein langer Engländer wie ein Blaſebalg, indem er ſeine Blike nach einer kleinen, ſehr hübſchen Frau ſchießen ließ, die, wie man ſagte, eine junge, vornehme Ruſ ſin war, die um den etwas zudringlichen Bewerbungen eines nicht minder vor nehmen Vormunds zu entgehen, ihr Vaterland verlaſſen hatte. Der Englän der nahm zehn Looſe, von denen er ein jedes mit einem Doppel-Napoleon be zahlte. Alles ſchrie auf vor Erſtaunen über dieſe großbritanniſche Großmuth. Mein Freund, der auch keig Kniker iſt, wollte ein Paroli biegen und gab ein Billet von fünfhundert Gulden für ein Loos. Der Enthuſiasmus hierüber war ungeheuer. Eine Baronin fiel vor Bewunderung in Ohnmacht. Man muß geſtehen, daß die Baroninen ein ſehr reizbares Nexvenſyſtem beſizen. Man zog die Gewinne. Der Engländer gewann nichts für ſeine vierhundert Fran ken; mein Frrund aber gewann für ſeine fünfhundert Gulden ein Paar geſtikte Pantoffeln. Der Himmel iſt gerecht.

Am andern Morgen beſuchte der Engländer meinen Freund. Nach einer Pauſe von einigen Minuten warf Sir Williams Black Blaymore, ſo hieß der Engländer, einen tief forſchenden Blik auf meinen Freund und fragte ihn mit echt brittiſchem Ernſt und kaltem Blute:Sind Sie in die Fürſtin von Tſchingiskoff verliebt? Bei dieſer Frage ergriff ein übermäßiges Gelächter