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Boſton. Hler hat ſich eine Da⸗ men⸗Aſſoziation gebildet, mit dem ko⸗ miſchen Titel: The Anti-Voung-Men's- standing-at-the- Church-door- Society. Dieſes mit mehr als griechiſcher Leich— tigkeit komponirte Wort bezeichnet ei— nen Verein, der verhüten will, daß die jungen Leute an den Kirchenthüren ſtehen bleiben, um die herausgehenden Frauenzimmer zu begaffen.(Wörtlich: Gegen⸗junge-Leute⸗an⸗der⸗Kirchthüre⸗ ſtehenbleibens⸗Geſellſchaft). G.
London. In der Londoner City vernabm man am 12. Dezember mit Er⸗ ſtaunen und Entrüſtung, daß die Ad⸗ miralität das Geſuch, zwei Schiffe zur Unterſtüzung der Mannſchaft jener 11 Wallfiſchfänger, die ſonſt wahrſcheinlich den Schreken des Polarwinters erlie⸗ gen werden, mit dem Bemerken abge⸗ lehnt habe, daß die Jahreszeit und der wahrſcheinliche Stand des Eiſes die Abſendung von Schiffen ſezt nicht ge⸗ ſtatten. Man tadelte es bitter, daß die Regierung,„wegen des wahrſchein— lichen Standes des Eiſes“, 500 Men⸗ ſchen dem Erfrieren und Verhungern preis geben wolle. M.
Peſther Lokalnotizen.
Der Eisſtoß.(Geſchrieben am 27. Dez.) Der liebe Himmel hat uns nun eine Eisbrüke beſcheert. In der Nacht vom 22. auf den 23. d. M. blieb das Treibeis zwiſchen beiden Städten ſtehen, und Der braucht eben kein ſonderlicher Waghals zu ſein, der heute den gefrornen Iſter mit ſeinen Fußtritten be⸗ ehrt, obgleich dieſer ephemeren Bahn Anfangs nicht viel zu trauen war— und mit vollem Rechte, denn der heurige ſchneeloſe und gar nicht konſequente Winter ſcheint weder für die Dauer noch für die Haltbarkeit gearbeitet zu haben, und in der That, hörte man leider wirk— lich von einigen unglüks fällen. Aber in vieler Hinſicht gleicht dieſe Naturbrüke im Winter unſerer Schiffbrüke im Sommer; es find beide nur Quaſi- Dinge, gebrechlich
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unbeholfen, unzulangend und nur zum Theil dem Zwek entſprechend. Nur den Vorzug hat die Brüke von Eis vor jener von Holz, daß die erſte um kein Privklegium oder Eigen ⸗ thumsrecht ſich kümmert und ganz abgaben⸗ frei iſt, während die andere ein Eigenthum iſt und Tribut verlangt.— Doch haben wir jezt gleich einen Eisſtoß, wer weiß, ob er, wenn dieſe Zeilen unter der Preſſe find, noch exiſtiren wird— ein warmer Hauch vom Him- mel bläſt ihn weg, und der Winter iſt, wie geſagt, heuer ſehr wankelmüthig. Die Pla- kereien und Abenteuer mit der ueberfahrt, bei der Inſel, beim Bloksbad, oder wer weiß noch wo, würden dann wieder beginnen, ſo wie wir ſie ſchon ſeit 6 Wochen heuer erleb⸗ ten. Allerdings, wiſſen hievon nur Diejeni— gen zu erzählen, deren Geſchäfts zweige ſich in beiden Städten ausdehnen, und wenn es auch ſolche viele, ſehr viele gibt, ſo hat doch Peſth eine anſehnliche Menge Perſonen, wel⸗ che hinter dem Ofen ſizen und unter allerlei Scheingründen die Theorle aufſtellen:„Es iſt ſchon recht ſo.“— Möge nun ſol⸗ chen uebeln bald abgeholfen werden! Möge die großherzige ungariſche Nation, im Vereine mit den biedern Bürgern Ofens und Peſths dahin trachten, daß die projektirte ſtehende Brüke zwiſchen beiden Hauptſtädten Ungarns bald zu Stande komme l] Nicht nur wird da— durch vieles Ungemach beſeitigt werden, nicht nur werden beiden Städten unberechenbare Vortheile erwachſen, ſondern der Ruf ibres Ruhmes und Glanzes würde durch ſolch ein Prachtwerk in ganz Europa wiederhallen. und welcher Patriot wünſcht nicht dies?
Eiſenbahnen in England. Als man in England anfing, Eiſenbahnen an⸗ zulegen, ſtieß man auf eine große Schwierig⸗ keit, die zu überwinden man faſt verzwei⸗ felte. Viele Grundeigentbümer nämlich woll⸗ ten unter keiner Bedingniß zugeben, daß die Eiſenbahnen über ihren Grund und Boden führen ſollten. Sie weigerten ſich hartnäkig ihr Sigenthumsrecht zu vergeben, ſo groß die Entſchädigungsanböte auch waren.— Was war zu thun? Man wandte ſich ans Parla— ment, und daſelbſt ging nach langen Debatten die Expropriationsbill durch, vermöge welcher die Grundeigenthümer gezwungen wurden, gegen eine verhältnißmäßige Entſchädigung, den Eiſenbahnen den nöthigen Plaz auf ihrem Grunde zu überlaffen.— Seitdem aber ha—


