Jahrgang 
Band 2 (1835)
Seite
823
 
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der Valentin imVerſchwender die Mehrzahl ausmachen wird. Policinello.

Wien(23. Dezember.) Die Re⸗ priſe desKaufmanns von Venedig, im Hofburgtheater, gab Dem. Peche Ge legenbeit als Porcia ihr ſchönes Talent glänzen zu laſſen und reichlichen Bei fall zu ernten. Mad. Schroͤder-Devrient feierte einen neuen Triumph in van Beethoven's überherrlichemFidelio. Der Andrang der Bewunderer des ver blichenen Meiſters und der gefeierten Sängerin war ſo groß, daß ſchon um 6 Uhr das Haus überfüllt war. Der Beifall war der Leiſtung angemeſſen. Auf der Leopoldſtädter Bühne erſchien, zur Benefize der Olle. Peroni, zum er⸗ ſten Male eine Zauberpoſſe in 5 Akten, nach einem älteren Stüke bearbeitet, unter dem Titel:Proben der Treue mit Muſik von Hrn. Franz Edl. v. Marinelli, Gruppirungen und Tableaux vom Pantomimenmeiſter Hn. Schadetzky. Mad. Rohrbek und die Herrn Weiß und Landner wirkten verdienſtlich und er⸗ hielten Beifall. Schadetzky's Gruppen wurden lärmend beklatſcht.

Adiaphoros.

Wien(25. Dez.) Das k. k. Hofoperntheater ward, vermög allerhöch ſten Entſchließung Se. Mafeſtät, an die HH. Carlo Bolochino und Bartolomeo Merelli, von Oſtern 1836 an, verpachtet. Apollo und die neun kaſtaliſchen Jung frauen ſeien gelobt, jezt können we nigſtensentfernte Hoffnun⸗ gen genährt werden, daß wir

eine Oper im vollen Sinne des Wor tes erhalten werden. Im Theater in der Leopoldſtadt ſah ich neulich ein ku⸗ rioſes Ding, das auf dem Zettel als Zaktige Zauberpoſſe angekündigt war, und den TitelProben der Treue führte. Es iſt aus dem Berlineriſchen

ins Wleneriſche überſezt; die Luftver änderung hat dem ſchwachen Kindlein eben ſo ſchlecht angeſchlagen, daß ich ihm ſeinen nahen Tod prophezeien kannz höchſtens 2 bis 3 Tage wird es ſein Leben noch fortfriſten und dann, ohne den Geiſt aufzugeben, ſanft an der Schwindſucht entſchlafen. Im Theater an der Wien ſollte neulich Hr.

Kunſt gaſtiren, und das übervolle Haus

wartete in Geduld bis Schlag halb acht Uhr auf die Genüſſe, die da kom men ſollten. Mittlerweile bemerkte ich jedoch, daß bereits um; auf 7 Uhr die Orcheſter-Stimmen gewechſelt wur den, obwohl man erſt um 28 dem Pu- blikum bekannt machte, wegen plözli⸗ cher Unpäßlichkeit des Hrn. Kunſt könne das annonzirte Stük nicht gege ben werden, und man werde dafür den Hans Haſenkopf, verpönten Andenkens, produziren. Der Name die- ſes Meiſterſtükes der Talentloſigkeit wirkte auf das Publikum ungefähr wie der Ruf: Feuer! denn ſcharenweiſe ſtürzten die Anweſenden den Ausgängen des Theaters zu, auf die Gefahr hin, ſich Arme und Beine zu brechen, nur den Hans Haſenkopf nicht ſehen zu müſſen. Hr. Scholz, der dieſes Stük als würdigen Pendant zu ſeinen frü hern Venefizen zur Einnahme gab, er hielt von dem leider! all zugüti⸗ gen Publikum einen neuen Beweis, wie ſehr es geneigt ſei, ſich auch ein zehntes Mal von dem Matador der Ko miker zum Beſten halten zu laſſen, und ich zweifle nicht, daß Hr. Scholz in löblicher Konſequenz auch zur nächſten Benefize eine Piece wählen wird, die eben ſo ſehr; von ſeinem Geſchmake, als der ſchuldigen Achtung gegen das Publikum höchſt ehrenvolles Zeugniß gibt. Mundus vult decipi, ergo de- cipiatur. Dixi. Bader Schelle.