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jugendlicher Freier mit zierlichen Schnurrbärten und mit Myrtenkränzen und Equipagen zulächeln; den Hageſtolzen, den Parodien der Schöpfung, werden Raimund'ſche Roſenmädchen ſich zeigen; den Lyrikern neu erfundene Blumen ſprießen; den Humoriſtikern überraſchende Wendungen und Wortſpiele auftau⸗ chen; den Satyrikern ſchlagende Epigramme kizeln und Niemand wird leer ausgehen als die Tragödiendichter, denn ihre ſchwarzen gift-Wund dolchbewaff— neten Geſtalten wird ein roſiger Schleier verhüllen.
Sie werden es, meine geneigten Hörer und Hörerinen, nicht in Abrede ſtellen, daß ſich von meinen zahlloſen vor mir dahin geſchiedenen Brüdern viel weniger Gutes ſagen läßt, als von mir; viele aus ihnen haben Ihnen Kum— mer bereitet und Trübſal, oder ſie haben zum mindeſten Langeweile über Sie gebracht.— Verzeihen Sie ihnen, ſie wußten nicht, was ſie thaten, ſie wa— ren Ehe— herren— alſo willenloſe Geſchöpfe, und laſſen Sie ihre Schul— den, mir nicht entgelten— ich habe deren, leider! ſelber genug; auch— wollen Sie es mit den Strategemen, die ich zu produziren die Ehre habe, nicht gar zu genau nehmen; die Menſchen beurtheilen ihre Handlungen nicht ihre Worte und beherzigen Sie das altehrwürdige Sprüchlein: de mortuis nil nisi bene.
Die menſchliche Race hat Zwitterweſen aufzuweiſen, die Sprache Zwitter worte. Ein ſolches Zwitterwort iſt Ehehälfte. Er beſagt, daß ein verheirathetes Individuum ein zuſammengefügtes, ein männlich und weibliches Weſen zugleich, eine Halbheit— kein Ganzes ſei.— Den Ketten der Ehe entwand ſich der edlere Theil unſeres Selbſt, und floh geiſtbeſchwingt aller Feſſeln bar, dem Himmel, ſeiner Heimath zu. Der ſchwerfällige ſündenbehaf— tete Theil aber blieb hängen am Erdenplaz, und ſo geſchieht es, daß die weibliche Zwitterhälfte immer belfert und keift, die männliche aber brummet und grollt.— Wie können auch zwei Hälften ſo einer ſiameſiſchen Doppelge— ſtalt im ſympathetiſchen Kontakte zuſammen ſtehen, wenn die eine Hälfte nach Shawls, Perlen, Armſpangen und Equipagen verlangt, die andere aber nach Gelagen, Reitpferden, Pfeifenſammlungen u. ſ. w.? Sie werden es ver— neinen, meine geneigten Hörer und Hörerinen, und gewiß mir den Vorzug ge— ben, der ich ein Ganzes— id est: Garęon bin.
Ich habe. mich aus vielen Gründen, die die Erfahrung meiner dahin ge— ſchlummerten Brüder theuer bezahlen mußte, nie entſchließen können, mich in den Stand der Ehe und des Wehe zu begeben. Ich will Ihnen einige davon mittheilen. Die Mädchen, ſagt man, ſeien die Blumen dieſes Lebens; aber ſie betäuben auch, und verwirren die Sinne, wenn man ſie, die Blumen, des Nachts über im Schlafzimmer behält.— Die Mädchen ſeien die Sterne dieſes Planeten, behauptet man, aber ſie, die Sterne, verhüllen ſich oft, und er— ſcheinen dann als Irrwiſche, die auf ungebahnte Pfade verloken. Die Mädchen gleichen nicht ſelten den Vögeln jenſeits der Linie.— Sie prangen mit dem herrlichſten Gefieder, krähen aber ganz unausſtehlich, ſobald ſie den Schnabel öffnen.— Wenn auf der großen Weltbühne das hiſtoriſche Drama, H ei— rath annonzirt iſt, hat die Liebe gewöhnlich Abonnement suspendu; das Haus bleibt leer.— Die Liebe iſt ein Aeronaut, der leichtbeſchwingt in des Himmels Bläue ſich erhebt, die Ehe ein Fallſchirm, der herab zur Erde zieht.— Die Liebe iſt eine galvaniſche Ver zükung, die Ehe eine ſyſtematli⸗


