Jahrgang 
Band 2 (1835)
Seite
814
 
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vortraten, und auf die ſchon der S pie gel und eine Peſther Korreſpondentin der Theaterzeitung aufmerkſam mach ten, milderte die Künſtlerin bei der zweiten Aufführung und das Publi⸗ kum, enthuſiasmirt durch dieſe beſchei dene, aufmerkſame Vereitwilligkeit, den Wünſchen eines kunſtſinnigen Audito⸗ riums zu genügen, überſchüttete die herrliche Sängerin mit den deutlichſten Ausdrüken ſeines Wohlwollens. Eine Operette:Das Doppelduell:, aus dem Franzeſiſchen entlehnt, ſprach we⸗ nig an. Die Muſik iſt zwar recht nett, aber der Text abgedroſchen und wenig amüſant. Im Theater in der Jo⸗ ſephſtadt erſchien, zur Benefize der Mad. Dietrich, zum erſten Male:Der Krieg mit dem Onkel Luſtſpiel in 4 Akten, von Dr. Töpfer, und geſiel durch das fleißige Spiel der darin Beſchäftigten. Auf dem Theater an der Wien triebder geſpenſtige Schiffer, als melodramatiſch- romantiſches Zauber- ſpiel, durch 5 Akte und in einem Vor⸗ ſpiele,Der Schikſalſpruch betitelt, ſeinen heilloſen Spuk. Aber bei der jezigen aufgeklärten Zeit werden ſol che Geſpenſter bald erlöſt; diesmal galt die Erlöſung aber dem Publikum. Das Leopoldſtädter Theater machte durch Engagement des Schauſpielers Werle, vormals am Theater an der Wien, eine ſehr vortheilhafte Acquiſi tion, deſtoweniger iſt die Direktion dieſer Bühne zu beneiden, Delle. Linde engagirt zu haben. Leztere iſt wahrlich ein Muſter einer Schauſpielerin, wie ſie nicht fein ſoll. A diaphoros.

Muſik.

Wien.(Muſikaliſche Lei⸗ den und Freuden). Sind vorüber die Sommerfreuden und die Landleiden,

iſt der Wein gekeltert, entblättern ſich die Bäume, und hemmt der Froſt der Flüſſe Lauf, dann kommen die muſika⸗ liſchen Leiden und Freuden; die Haus und öffentlichen Konzerten Da wird geſungen, gekünſtelt, gekon zertirt und gedeklamirt, da zieht der Dilletantiemus mit Prunk ein, und das nenne ich die muſikaliſchen Leiden. Die muſikaliſchen Freuden hingegen ſind ſehr gering. Unſer Ohr iſt ver⸗

wöhnt, unſere Anſprüche, durch die Lei ſtungen 11 und 13jähriger Knaben,

bedeutend größer und der Werth, den wir Konzerten geben, iſt, durch die

Ueberzahl derſelben, ein geringer. Det

NameKünſtler hat ſeine eigenen Grenzen übertreten, und ſein Gebiet/ zum Falle der Kunſt, bedeutend erweitert, und die Defnition eines Künſtlers lau⸗

tet jezt:Wer das kann, wäs ein

Anderer nicht kann, iſt ein nſt⸗ ler. Es iſt daher gar nicht zu wun⸗ dern, wenn bei ſolchen Umſtänden die muſikaliſchen Leiden über die muſikali⸗

ſchen Freuden ein Uebergewicht haben

Eine erfreuliche Erſcheinung war da⸗ her Hr. Heinrich Ehrlich, ein 13=Tah⸗ riger Knabe, der am 8. d. M. um die Mittagsſtunde, im Saale der Geſell⸗ ſchaft der Muſik freunde ein Konzert gab. Der junge Virtuoſe, ein Schü⸗ ler des Hrn. C. M. von Bock 118 ein Klavier-Konzert v. Rieß 2

mit vieler Präziſtion und Leichtigkeit. Der rühmlichſt bekannte Hr. v. Bock⸗ let bildete das ſchöne Talent dieſes Knaben auf eine erfreuliche Welſe aus, unter ſeiner Leitung können wir dem Hrn. Ehrlich, bei anhaltendem Fleiße, eine vielverſprechende Zukunft prophe⸗ zeihen. Nicht minder gelungen war in Hinſicht des Vortrags und der Wahl ein Rondeau brillant Dedur) von Herz, das den Schluß des Konzertes machte. Das Konzert war beſucht.

Policinello.