Korreſponden:.
Gran(44. Dezemb.). Als ich den humoriſtiſchen Aufſaz„Die Wit— terung u. die Konſequenten(in Peſth)““ im Spiegel, Nr. 99 las, fiel mir das C'est tout comme chez nous! lebhaft ein. Auch wir hatten hier im Novem- ber und zu Anfang Dezembers gleiche Witterung, wie in Peſth. Auch hier mußten im November wegen des früh— zeitigen Froſtes die Donaumühlen aus— gehoben werden, und Mehl und Brod ſtiegen ſogleich enorm im Preiſe. Als die Witterung wieder gelinde wurde, hing man die Mählen wieder ein und die Müller mahlten wie zuvor, aber die Mehlverkäufer(Müller, und be— ſchnittene und unbeſchnittene Mehlju— den), Bäker und Brodbäkerinen blie— ben ſich konſe quent, ſie verkauf— ten ſo theuers Mehl und Brod, wie zuvor.— m—
Prag(15. Dez.). Das in mei⸗ nem lezten Berichte irriger Weiſe als Luſtſpiel angezeigte überrheiniſche Pro— dukt, das auf unſerer Bühne zur Dar— ſtellung kommen ſoll, iſt ein Schau⸗ ſpiel und hat bereits vorrigen Don— nerſtag ausgerungen und ausgelitten. Es iſt mir ſchon lange nicht eine ſolche theatraliſche Erbärmlichkeit vorgekom— men. Ein broddürftiger Komptoir-Die— ner begeht das Verbrechen einen zu beſtellenden Brief zu erbrechen, daraus eine Banknote zu nehmen, um ſeinen Kindern Brod zu verſchaffen. Er kommt in Unterſuchung und dann auf, fünf Jahre auf die Galeeren. Die Spra⸗ che hat eine auffallende Aehnlichkeit mit der deutſchen und der Bearbeiter hat uns die Stuben voll Rauch gemacht mit ſeiner„Wage der Gerech— tigkeit“, ſo iſt das Ding benamſet. Man möchte weinen, wenn man nicht rezenſiren müßte.— Dem. Jazeds(eine Ungarin) eine Altiſtin, deren Stim⸗
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me angenehm und deren Schule nicht übel iſt, gaſtirt jezt bei uns und hat bereits als Alice und Roſine, wenn auch keine warme, doch eine freund⸗ liche Aufnahme gefunden, was viel iſt, da nur Sängerinen, wie Sabine Hei— nefetter mit dem Günſtling des Publi— kums, der Lutzer, ſich zu meſſen wagen dürfen. So hat erſt unlängſt die viel geprieſene Carl den Pragern wenig Beifall abzuloken gewußt. Dem Ver— nehmen nach, iſt Dem. Jazedé engagirt, da wir bis jezt keine Altiſtin und Sou⸗ brette haben.— Im böhmiſchen Thea— ter wurde geſtern zum Vortheile des Hrn. Grabinger„König Lear“ aufge— führt.— Das Schweſterpaar Elsler ſoll im Frühjahr, wo die feſtliche Keö— nung Se. Maj. ſtattfinden wird, hier gaſtiren. Von dem Verf. des„Hori⸗ mir“, Uffo Horn, wird wieder eine Tragödie erwartet. Die Ebertlaner wären außer ſich, wenn der Erfolg wieder ſo günſtig, wie jener des„Ho⸗ rimir“ wäre.— Am 13. Dezemb. gab Hr. F. W. Bezdsk, den Ofnern als Muſikdirektor bekannt und ehemaliger Zögling des hieſigen Konſervatoriums, ein Konzert, das,, wie es ſelten der Fall war, glänzend beſucht worden. Der Konzertgeber fand ſowohl als Vio⸗ linvirtuoſe wie als talentvoller Kom— poniſt ehrende Anerkennung. Hr. Drey— ſchock, ein junger Pianiſt, erhielt au f—
munternden u. Om. Hlava, die ei⸗
ne ſchlechte Arie aus Bellinis„Beatrice di Tenda“é fang, galanten Beifall. Die Akademie ward mit einer Sym⸗ phonie von Beethoven eröffnet und ſtür— miſch applaudirt.— Der Tanz⸗Kom⸗ poniſt, Labitzty aus Carlsbad, gibt hier den Winter hindurch Abendunter— haltungen bei eklatantem Zuſpruche. Die Leipziger muſikaliſche Zeitung ſagt von ihm„er drohe, den Potenta— ten der Wiener Tanzmuſik, Strauß und Lanner, das Szepter zu entrei⸗


