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eiſtungen dieſer Truppe berichtet ein Augenzeuge, wie folgt.„Zehn Bedui⸗ nen treten auf. Sie ſind verſchiedenfarbig— braun, ſchwarz, olive. Ein Alter, von eindruksvoller Figur, mit weißer Kopfbinde ſizt auf einem Kiſ⸗ ſen, neben ihm ein Anderer, die Mandoline in der Hand; ein Dritter ſteht da mit einer großen Mohrentrommel, die einen eintönigen und furchtbaren Klang hat, und alle Vewegungen der Athleten begleitet. Auf das erſte Zeichen des Trommelſchlägers ſpringen die Beduinen auf, bilden einen Zirkel, und bleiben nun keinen Augenblik mehr ruhig. Sie laufen auf den Füßen, auf dem Kopf, auf den Händen; man unterſcheidet kaum, ob ſie gehen, tanzen oder ſpringen, ſo raſch und unabgeſezt ſind ihre Bewegungen; man ſieht auch nicht, ob es Männer oder Frauen, Zwerge oder Rieſen ſind; das Auge des Zuſchauers er⸗ blikt bald zweiköpfige Mißgeſtalten, bald eine unförmliche Miſchung von Hän⸗ den und Armen. Das richtigſte Bild von dieſem Wirrwarr gibt ein Kalei— doskop; zehn Menſchen zwiſchen zwei Gläſern, in tauſend baroken Windun— gen, mit Blumen, Steinen und Flittergold dazwiſchen. Das Geſchik, die Raſchheit, die Heftigkeit, die Wuth ihrer athletiſchen Kanſtſtüke ſind nicht zu beſchreiben. Unter den Zehn iſt auch ein ungläkliches Kind von 8 Jahren, das(möge es ihnen der Prophet verzeihen), eine erſte Rolle zu ſpielen hat. Einer der Veduinen ergreift den Kleinen, dreht ihn zuſammen wie einen Tur⸗ ban, und legt ihn ſich ſo um das Haupt. Dann ſtellt der Araber das Kind auf ſeinen Kopf es klammert ſich mit den nakten Füßen feſt; ein anderer Araber nimmt die Doppelgeſtalt und gibt ihr ſeinen Scheitel zum Fußgeſtell; der Kleine erſcheint als die Spize einer Menſchenpyramide. Der Anblik macht ſchaudern; Jedermann beklagt das arme Weſen, das ſo frühe ſchon als willen⸗ loſes Werkzeug elender Gewinnſucht fröhnen muß. Was wird nach kurzer Zeit mit dieſer Beduinenausſtellung werden? Das launenhafte, ſtets nach Neuem ſehende Publikum wird ſie bald nicht mehr beachten, und wenn die Gier der Unternehmer ſie nicht zwingt, ihre waghalſigen Kunſtſtüke bis zur Verſtüm⸗ melung zu übertreiben, gehen ſie dann nach ihrer Wüſte zurük, und erzählen den Brüdern, wie es ihnen in der großen Hauptſtadt ergangen iſt.““
Leitung der Novitäten und Anfichten.
thea“ die Dorothea mit Beifall.— Im Hofoperntheater ſang Mad. Schrö—
Theater.
f Wien(16. Dez.). Mad. Brede
gaſtirte im k. k. Hofburgtheater als Freifrau von Birken, in„Der erſte Schritt“, Luſtſpiel von F. v. Weiſſen⸗ thurm, und bewies in der Durchfüh— rung der ganzen Rolle die denkende Künſtlerin. Delle. Hagn gab die Sa— ſette, in den„Roſen des H. v. Males⸗ berbes“ und in dem Töpferiſchen Fa⸗ miliengemälde:„Hermann und Doro⸗
der⸗Devrient abermal in„Montechi und Capuleti“ mit dem glänzendſten Erfolge, den man ſich vorſtellen kann. Jubelnd ward die liebenswürdige He⸗ roine des Geſanges empfangen; rau⸗ ſchender Beifall, wie wir uns keines ähnlichen erinnern können, brach nach jeder Nummer los, und wollte am En⸗ de der Vorſtellung gar nicht verſtum⸗ men. Einige Bizarrerien, die bei der epſten Gaſtharſtellung etwas grell her⸗


