Jahrgang 
Band 2 (1835)
Seite
789
 
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Situationen könnten durch den Wort⸗ wiz bedeutend gehoben werden. Uebri gens nahm das Publikum das Ganze recht beifällig auf, und Hr. Fenzel⸗ wurde zwei Mal gerufen. Dieſes et was ſtrenger angelegte Urtheil möge dem Hrn. Fenzel meine Aufmerkſam keit und die Achtung für ſein Talent beweiſen. Hr. Joh. Fenzel hatte als Policinello wenig Gelegenheit, ſeine an erkannten Bravouren zu zeigen, indeſſen war alles, was er machte, vorzüglich. Nur das gefiel mir nicht von ihm, daß er ſich vom Harlekin beim Kopf nehmen ließ. Das iſt zu viel Beſcheidenheit. Nebſt den wakern Leiſtungen des Poli cinello, muß ich als vorzüglich die des Hrn. Joh. Fenzel(2) als Harlekin, und des Hrn. Schadetzky als Pierot nennen und ich glaube nicht mit Unrecht zu behaupten, daß dieſe zwei Darſteller in Deutſchland unerreichbar daſtehen. Das Vorzüglichſte aber beim Ganzen iſt die wunderhübſche Muſik vom Orcheſter direktor Hrn. Leppen. Melodienreich thum, Inſtrumentirung und Charak teriſtik, namentlich im pantomimiſchen Theil, erheben dieſe Muſik über die gewöhnliche Sphäre. Das Orcheſter hielt ſich unter der Leitung des Hrn. Marinelli recht waker. Ausgezeichnet waren die Dekorationen des Hrn. M. Mayer, die als Oehlgemälde in Gold rahmen zu prangen verdienen. Die Schlußgruppirungen der beiden Akte ſezen dem Hrn Fenzel die Krone auf, nur ſoll er mehr beſchäftigen den Policinello.

Literatur.

Leipzig. In der Weidmann⸗ ſchen Buchhandlung allhier erſcheint, in einer höchſt geſchmakvollen Ausſtat⸗ tung, eheſtens ein neues Werkchen von dem VerfaſſerDes lezten Ritters,

dem Pſeudonymen Anaſtaſius Grün (A. Alexander Graf von Auersberg, Inhaber der Herrſchaft Thurn am Hart in Krain). Es führt den prägnanten Titel:Schutt, enthält einige län⸗ gere, reflektirende elegiſche Dichtun gen, nicht ohne Anflug von Satyre, und iſt dem berühmten Orientaliſten, Joſeph von Hammer gewidmet. W. Stuttgaet. Der bekannte Romanzen- Dichter, Prof. Gu ſt a v Schwab, einer der glüklichſten Nach eiferer Uhlands, widmet ſich ſeit eini⸗ ger Zeit mit lobenswerthem Eifer dem verdienſtlichen Geſchäfte, auf jün gere Herzen, bildend und für äſtheti ſche Empfänglichkeit vorbereitend, ein⸗ zuwirken. SeineMuſterſammlung deutſcher Gedichte, von Albrecht von Haller bis auf die neueſte Zeit(welche auch Muſterſtüke von den öſtereichiſchen Dichtern, Grillparzer, Zedlitz, J. G. Seidl, Anaſt. Grün, N. Lenau, C. G. von Leitner u. a. enthält), iſt wirklich ein Muſter für Sammlungen dieſer Art. Von einem gleichen Geſichtspunk te aus behandelt er die alte Lit e⸗ ratur für das weibliche Geſchlecht, und ſein neueſtes Buch der Ge ſchichten, welches den Mährchenſchaz der Heimat in ſchlichter Einfachheit vorträgt, dürfte zu einem beliebten, Volksbuche werden. L. Wien. Endlich ſcheint der, troz ſeines Aufenthaltes in Steiermark, noch immer zu den Wiener-Dichtern gerechnete, vortreffliche Lyriker Joh. Gab r. Seidl den Vorwurf eines faſt gänzlichen Verſtummens, der ihm vom In- und Auslande mehrfach ge macht wurde, kräftig wiederlegen zu wollen. Eine Sammlung ſeiner gelun⸗ genſten Novellen, unter dem Titel: Georginen, hat J. A. Kienreich in Grätz unter der Preſſe. Ein Band geſammelter kleinerer Aufſäze u. Dich⸗ tungen, zunächſt, ſeinem Berufe ge