Jahrgang 
Band 2 (1835)
Seite
787
 
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und wenn Miß Jenny, ſo hieß die junge Engländerin, vor ihrem Piano ſaß

und ihm harmoniſche Töne entlokte, vergaß ſie, daß niemals die Stimme einer

liebenden Mutter ihr die ſüßen Worte: meine Tochter! zugerufen hatte. (Beſchluß folgt.)

Ein Korb mit Eiern.

Es iſt wenig bekannt, durch welche beſondere Umſtände Friedrich der Große in der ſchlechten Stellung bei Hochkirchen feſtgehalten wurde, in wel cher ihm Daun am 14. Okt. 1758 durch einen geſchikt eingeleiteten Ueberfall einen ſo empfindlichen Verluſt beibrachte. Der König hatte in der öſterreichi ſchen Armee einen gewiſſen Major Schollner erkauft, durch welchen er Alles erfuhr, was bei derſelben vorging. Die Rapports wurden in einem Korbe mit Eiern überbracht, von denen ein ausgeblaſenes das Schreiben enthielt. Unglüklicher Weiſe mußte Daun dem Eierträger bei einem Spazirritt begeg nen; er fragte ihn, was er zu verkaufen habe, kaufte die Eier ſelbſt, und ließ ſie nach ſeiner Küche bringen. Hierdurch wurde die Verrätherei entdekt, und Daun benuzte den Umſtand. Er ließ ſogleich den Korreſpondenten fordern, und nachdem er ihn auf das Härteſte angegangen hatte, ſchenkte er ihm das Leben unter der Bedingung den König durch Nachrichten, die er ihm in die Feder diktiren würde, zu hintergehen. Das wiegte den König in eine Sorg loſigkeit ein, welche ihm eine Schlacht und den Kern ſeines Heeres koſtete. 7 An einem Korbe mit Eiern hing das Leben und der Tod einiger tauſend Menſchen.

Eine Perüken⸗ Anekdote, in welcher der Keim des amerikaniſchen Kriegs verborgen liegt.

Der franzöſiſche Marineminiſter in jener Zeit, Hr. v. Sartine, war, nach ſeiner Meinung, am eleganteſten in ganz Frankreich friſirt; er that ſich darauf etwas zu gut. Er ließ ſich Morgens friſtren, er ließ ſich Abends friſi⸗ ren. In ſeiner Bibliothek ſtand eine Sammlung Verüken aller Größen und aller Arten: Perüken für's Negligee, Perüken für den Miniſterrath; er ſezte ſie je nach Gelegenheit auf; es war ſogar eine Liebhaberperüke dabei, mit 5 fliegenden Lökchen. Drei Perükenkünſtler ſtanden ihm zu Gebote; jeder hatte eine beſondere Perükenform zu verwalten, einer war bloß dazu beſtimmt, ſie ihm aufzuſezen. Man berichtet, daß er zu der Zeit, als er noch an der Spize der Polizei ſtand, wenn er Gefangene verhörte, eine fürchterliche Pe rüke, eine Art von Schlangenhaargebäude, aufſtülpte, um die Gewiſſensbiſſe zu weken; ſie hatte auch einen Namen: ſie hieß dieUnerbittliche. Zu jener Zeit nun erſchien eine engliſche Flugſchrift, die ſcharf über den Miniſter und deſſen Geſchmak herfiel; Sartine und ſeine Perüken ſaßen auf dem Ar⸗ menſünderbänkchen vor dem engliſchen Publikum! Himmel und Hölle! das gab Feuer unter's Dach. Sartine eilte mit ſeiver grimmigſten Perüke in den Mi niſterrath; Franklin wurde dahin berufen, jeder Vorſchlag von ihm angenom⸗ men, und ſo wurde Amerika der Bundesgenoſſe Frankreichs.