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Kliszellen.
Prag. Hier iſt bei einem Fri— ſeur auf der Tafel folgende kurioſe Aufſchrift zu leſen:„Nicht nach Pa⸗ riſer Art, ſondern nach Prager Wunſch werden hier die Haare geſchnitten, ohne Kabinet nach Wunſch der Hrn. Gön⸗ ner!“ Was will der gute Mann?
—tz. Stuttgart. Lindpaintner, un⸗ ſer trefflicher Kapellmeiſter, der ſchon ſo viel gute Muſik geſchrieben, aber immer noch mit dem Texte zu ringen bat, da er noch nie ſo glüklich war, einen guten Operntext zu erhalten, komponirt jezt eine dreiaktige Oper von Caſtelli:„Die Macht des Geſan— ges.“ Die Handlung ſoll einfach ſein, und die Pointe iſt dem Titel nach eine Arie. Die verbreitete Nachricht, daß er ein Buch von Madame Birch-Pfeif⸗ ſer komponirte, iſt unrichtig. M.
At ben. Hier ſoll ſich eine Ge— ſellſchaft zur Herausgabe eines neuen Journals in griechiſcher und franzöſi— ſcher Sprache gebildet haben; als einen der Hauptredakteurs nennt man einen Miniſterialrath im Miniſterium des Innern. In ihrem Proſpektus ver— ſprechen die Herausgeber, vor Allem Unparteilichkeit in Lob und Tadel be— obachten zu wollen. D.
London. Zbwiſchen Goole und London iſt kürzlich das Dampfboot: „Prinz Friedrich“ untergegangen. Orei Perſonen ertranken, die andern wur— den gerettet. M.
Paris. Die Beduinen,(10 an Zahl, 8 erwachſene Männer und 2 Kin— der von 5 bis 6 Jahren), welche am Theater der Porte St. Martin einige Vorſtellungen geben ſollen, ſind am 10. Nov. hier eingetroffen. Ihre Stärke und Beweglichkeit übertrifft Alles, was man bisher in dieſer Art geſehen hat.
Sie ſind zu Bordeaux mit Entbuſias— mus aufgenommen worden, und die gan—⸗ ze Umgegend ſtrömte hinzu, um ſie zu ſehen. B. Kaſſel. Kürzlich befand ſich hier ein Miſſionär, die in einer ſehr belebten Straße ein Gaſthaus unter- geordneten Ranges bewohnte und ſich's zum Geſchäfte machte, wenn er Land— leute dei ſeiner Wohnung vorüber ge— hen ſah, Traktätlein aus dem Fenſter auf die Straße zu werfen. Die Vor— übergehenden hoben ſchon aus Neugler⸗ de die ihnen in den Weg geworfenen Drukſchriften auf und nahmen ſie mit ſich. Auf dieſe Weiſe erreichte er den Zweek, dieſe Schriften im Lande zu verbreiten. Wie man hört, war der gedachte Miſſionär bereits verſchwun— den, als die Polizei Notiz von dieſer Sache nahm. D. Kiel. Hier wurde ein Studene wegen Tödtung im Duell(nach einer alten Verordnung von 1751) vom aka⸗ demiſchen Senat zum Tode verur— theilt, jedoch ihm zu gleicher Zeit die Begnadigung auf 47jährige Feſtungs- ſtrafe zweiten Grades verkündigt. Er iſt noch an demfelben Tage nach der Kopenhagener Zitadelle abgeführt wor— den. Die Sekundanten wurden zu drei— jähriger Feſtungsſtrafe verurtheilt. . B. Straßburg. Das hieſige Thea⸗ ter iſt temporär geſchloſſen, da die Di⸗ rektion ihre Verbindlichkeit nicht er⸗ füllte, und die Schauſpieler ſich wel⸗ gern, vor erhaltener Zahlung weiter zu ſpielen. Vorläufig iſt nun das er⸗ ledigte Privilegium für das nächſte Jahr ausgeſchrieben worden. Die Stadt bewilligt der Direktion, nebſt unent— geltlichem Genuß des Hauſes mit De⸗ korationen u. ſ. w. und Vermietung des im Theater befindlichen Kaffe hau⸗ ſes, eine baare Unterſtüzung von 17,000 Franks. W.


