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jäbriger Prager Muſenſohn, Namens Uffo Horn, hat ein„romantiſches Schau⸗ ſpiel“ in 6 Alten gedichtet, das am 19. d. M., zum Vortheil des Helden— ſpielers, Hrn. Fiſcher, in die Szene ging. Es heißt:„Horimjr“ und iſt nicht ganz übel gerathen, wenn auch die Handlung arm, die Kataſtrophe matt iſt, die dramatiſche Gerechtigkeit ſchlecht gehandhabt wird und das Ro⸗ mantiſche durch eine Zaubetin reprä⸗ ſentirt wird. Dem ſei wie ihm wolle, die jugendliche Arbeit zeugt von Ta— lent,„Horimjr“ hat bübſche Verſe, gereimte Abgangsſzenen, einen gelun— genen Kerkermonolog und gerechterweiſe wurde der junge Mann dreimal geru⸗ fen. Der Benefiziant(Horimjr), ſo Dem. Herbſt und Hr. Bayer trugen viel zur günſtigen Aufnahme des Stüks bei. Eine andere Novität war:„Zur ebener Erde und im erſten Stok“, das vier Mal nacheinander bei vollem Hauſe dar- oder eigentlich aufge- ſtellt wurde, und heute wieder zur Beneſize des Hru. Walter gegeben wird. Die Poſſe hat auch hier erſtaunliches Glük gemacht, was ihr auch zu gön⸗ nen iſt, weil ſie erſtens einen ſpaßi⸗ gen Dialog und mitunter Wiz hat; zweitens enthält ſie keine Feen, Hexen, Drachen, und wie die unter- und über⸗ irdiſchen Behelfe der ſogenannten Volks— komödien heizen; drittens treten kei— ne allegoriſchen Verſonen auf, die brei— te Reden und nichtsſagende Worte ma— chen und das Publikum mit in hinken- den Jamben gehaltenen Sentenzen und Predigten langweilen, kurz weil es kein Menſchenfeind iſt und nur unterhält, zwar wenig Phantaſie, aber auch keine gefeſſelte zeigt. Frei— lich wäre es beſſer geweſen, wenn die Handlung nicht nach jener„des Ver; ſchwenders“ geſchmekt hätte. Der bell etage war„nobel“ dekorirt und die Darſtellung ſehr brav. Feiſtmantl
(Damian) iſt freilich kein Scholz, war aber beſonders jokös in Mimik und Sprache. Ausgezeichneter Beifall war ſein Lohn. Ein Gleiches gilt von Hrn. Preiſinger(Schluker), einem Komiker, der immer ſeine Rolle ſtudirt. Herr Spiro effektuirte nur im 3. Akte, als er das Karten⸗Lied ſang, das wieber— holt werden mußte. Auch Mad. Binder (Salerl) verliep ibrer Parthie jenen Liebreiz, der dieſer Künſtlerin ſo eigen iſt.— Von Koch, der uns ſchon ſo manches überrheiniſche Produkt mund— recht machte, ſahen wir zum Erſtenmal das Luſtſpiel:„Haß und Liebe“ und das Schauspiel:„Die Vorleſerin“, welche beide außerordentlich angeſpro⸗ chen haben. Im erſten Stüke verdienen eine ausgezeichnete Erwähnung Herr Volawſky, im lezteren Hr. Vayer und Dem. Herbſt.— Töpfers„Einfalt vom Lande“ verdankt ſein Glük dem treff⸗ lichen Spiele der Mad. Binder und des Hrn. Dietz, welcher Lezterer in dieſer Poſſe klaſſiſch iſt. Der Theaterrezen⸗ ſent in der hieſigen„Bohemia“ hat eine drei Spalten lange Kritik über eine theatraliſche menſchliche Null ge— ſchrieben, die einmal als Königin von 16 Jahren und als Luzie in„Die junge Pathe“ auftrat und total durch⸗ fiel. Die Null heißt Dem. Hoffmann und iſt angeblich vom Dresdener Hof— theater. Nur etwas Schönes kann Ref. der Gaſtin nach- oder vielmehr ins Geſicht ſagen: daß ſie wirklich ſebr ſchön iſt.—— Ein Herr Silberna— gel hat als Philipp in„Johanna von Montfaucon“ ſeinen erſten theatrali— ſchen Verſuch gewagt und bewieſen, daß ſeine Stimme nicht von Silber iſt, er den Nagel nicht auf den Kopf getroffen, und auf den Brettern,„die die Welt bedeuten“, nichts bedeutet.
Hotzeplotz.


