Jahrgang 
Band 2 (1835)
Seite
760
 
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Der Modenkurier.

(Varis, 15. Nov. 1835.)

Nichtt Neues unterm Sonnenlicht;

Doch neu heißt, was die Mode ſprlcht 15 f 1. Die Epoche der Sammethüte iſt elngetreten. Sie werden heuer ſehr ſtark ge tragen werden. Vorläufig erwähnen wir eine einfache Gattung. Dieſe ſind von flachem

Sammet, grün, violet, kaſtanienbraun,

goldgründig, die zur Verzierung blos eine Atlasſchleife von derſelben Farbe ſeitwärts haben. Die Formen ſind entſchieden groß und ſehr aufgerichtet in der Mitte.

2. Louiſenblauer Sammet gibt ſchöne Morgenkapoten; ſie werden gegen die Wan gen geſchloſſen und laſſen die Haarloken frei.

3. Man gewahrt einige gezogene Ka poten von roſenrothem Atlas, nach Art der jenigen von Gros de Naples, wie man ſie vergangenen Sommer getragen.

4. unter dem Schirm hat man Fan taſie⸗ Verzierungen: Blumen, Bänder oder Blonden, je nachdem ſie zum Geſechte gut ſtehen.

5. Die Bänder, welche man auf At⸗ las oder Sammethuten bemerkt, ſind wirt lich bewunderungswürdig; es gibt dergleichen Garnirungen, deren Preis faſt ſo hoch iſt, als jener eines Federnbouquets.

6. Die Stoffe fallen heuer ſehr ſchön aus. Man tragt Abends ſchöne glatte Atlaſſe von zarter Farbe; geküperte Sammete, glän⸗ zend und reich; einfärbige Brokarde; Fanta⸗ ſie⸗Atlaſſe, geblümt und punktirt, welche zu den eleganteſten Abend-Ueberröken beſtimmt find. Der Damas d' Alger, ein Gemiſch von Wolle und Seide, iſt wegen ſeiner Einfach heit ſehr beliebt. Dann kommen die unzähli⸗ gen Stoffe, die jeden beliebigen Namen an⸗ nehmen, die faconirten Atlaſſe, die variren⸗ den Repſe, die ſatinirten Levantins. Die Mäntel haben prächtige Brokards, und der Königsatlas, ein ſchönes Gewebe mit Woll blumen, iſt von einem einfachen und ſehr aus bezeichneten Effekte.

7. Diel eleganteſten Mäntel ſind von geſtittem Brokard, Farbe auf Farbe. Die mit zugerichtetem Sammet gefütterten Aermel

ſind breit und in der Mitte aufgerichtet. Der

Vordertheil und der Kragen* ebenfalls mit Sammet gefüttert.

8. Die Muffe werden immer mehr zahlrelch. Sie ſind von Marder verſchiedener Gattung.

9. Boas ſieht man noch hie und da, was aber blos erinnern will, daß ſie einſt in Gunſt waren. Die Mode derſelben exiſtirt aber nicht mehr. Dafür hat man Palatins von Atlas, mit Pelzwerk oder Blonden gar nirt, zur großen Regligee oder Reiſctollette. (Nicht etwa auf Soireen oder gar Bällen!!)

10. Die Mäntel werden auch mit Pelzwerk gefüttert; der Werth deſſelben un- terwirft es nicht den Launen der Mode, und es bleibt ſtets von ſehr ausgezeichnetem Luxus.

11. Die Kleider werden von übermä ßiger Länge verfertigt. Einige, die zu Viſiten⸗ anzügen in mit Teppichen belegten Wohnungen beſtimmt ſind, haben ſogar eine Art Schleppe.

12. Perlen werden dieſen Winter in großer Mode ſein, ſowohl in der Koeffüre als zur Verzierung der Ballkleider.

Modenbil d. Nr. 49.

Pariſer Anzüge vom 15. Nov. Maintenon- Mäntel mit einem Tapuchon, das entweder, wie bei der ſtehenden Dame, über den Kopf gezogen, oder, wie bei der ſizenden Dame, zurükgeſchlagen werden kann.

Hr. Anton Rosmanith, burg. Damenkleidermacher in Peſth(Roſenplaz, Nr. 63), hat neuerdings eine Auswahl der ſchon⸗ ſten Damenmäntel, die ſich ſowohl durch Treff- lichteit und Neuheit der Stoffe, als geſchmak⸗ volle Arbeit nach den erſten Muſtern der Reſidenz auszeichnen, zu billigen Preiſen vor räthig, worauf wir die elegante Welt auf⸗ merkſam machen.

An Illuminirer.

Mehrere zum Illuminiren geeig⸗ nete Individuen können ſofort im Ne⸗ daktionsbureau des Spiegels(Feſtung, außerhalb des Waſſerthors) Beſchä fti⸗ gung erhalten. Anfrage daſelbſt, oder in Peſth bei Hn. S. Noſenthal, Neu⸗ ſtadt, Zweiadlergaſſe, Nr. 247, 2. Stok.

Herausgeber und Verleger raaz Wieſen.