Jahrgang 
Band 2 (1835)
Seite
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le. Das Uebrige mittelmäßig oder ver fehlt. 2.

Wien(11. Nov.). Das Künſt⸗ lerpaar, Hr. und Mad. Rettich, hat ſeine Gaſtſpiele auf unſerer Hofbühne geendet. Es wäre eine unauflösbare Aufgabe für einen Kunſtrichter, jene Leiſtung der Mad. Rettich zu beſtim men, welche in dem Cyklus ihrer Gaſt rollen die gelungenſte war. Der Raum dieſer Blätter geſtattet uns nicht, in eine detaillirte Auseinanderſezung ſämmtlicher Leiſtungen einzugehen, wie wir ſo gerne thäten. Wir bewunder ten Mad. Rettich als Maria Stuart, Olga, Gretchen(Goethes Fauſt), Grä fin Rutland, Bertha(Abnfrau), Lu⸗ zie(König Enzio), Donna Diana, nig Konradin, Eliſabeth(Don Carlos) und Iphigenie(von Goethe). In al⸗ len Partien errang ſich die Künſtlerin eklatanten, ſtürmiſchen Beifall, in al⸗ len Partien genügte ſie ſelbſt den ſtrengſten Anforderungen der Kritik. Nicht minder erregte Hr. Rettich An theil als Iſidor, Jaromir, Enzio, Poſa und Hanns Sachs. Ein Gerücht, das nicht grundlos ſein ſoll, erfreut alle Verehrer der dramatiſchen Kunſt: Hr. und Mad. Rettich ſollen nämlich be reits für das k. k. Hoftheater engagirt ſein. Apollo gebe, daß es wahr ſei! Auf dieſer Bühne gaſtirte auch Herr Riehm, Mitglied des kaiſ. Hoftheaters in St. Petersburg, als Major Warren, in Töpfers Luſtſpiel:Der beſte Ton, obne ſich beſonders bemerkbar zu ma chen. Delle. Carl trat im Hofopern theater, nach kurzem Unwohlſein, als Alaide in der Unbekannten auf. Eine ſichtbare Beklommenheit, vielleicht die Folge der Unpäßlichkeit, ließ die Künſt lerin nicht mit dem gewohnten Erfol ge reuſſiren; deſto ſiegreicher und glän zender zeigte ſich Delle. Carl in einer Akademie, wo ſie drei Piecen von Pa eini, Roſſini und Nicolini mit unge

heurem Applaus vortrug. Auf dieſer Bühne produzirte ſich auch eine 15jäh⸗ rige Damigella Tereſa Ottavo auf der Violine. Sie nennt ſich eine Schüle rin des großen Paganini und des be rühmten Veriot, und trug Varlatio nen von dem Lezteren mit vieler Prä ziſion und nicht ohne Bravour vor. An demſelben Abend ſpielte ein Herr Ernſt Schmidt, auf ſeinem neuerfun denen Inſtrument, Apollo-Lyra be namſet, verſchiedene Muſikſtüke und er regte einige Theilnahme. Das Leo poldſtädter Theater brachte eine neue Originalzauberpoſſe, zur Veneſtze des Schauſpielers Brabée:Die Quellen Nymphe, oder: Eheſtandsleiden, mit Muſik von A. Skutta. Mehrere äl tere Piecen erſchienen wieder auf dem Repertoir, um Hrn. Weiß Gelegenheit zu geben, ſeine Vielſeitigkeit zu er proben. Wir erwarten mit Ungeduld den Augenblik, wo Hr. Weiß in elner neuen, ſelbſtgeſchaffenen Rolle ſich wird zeigen können, da er bisher, denWer ther ausgenommen, nur in Partien erſchien, die er von ſeinen Vorgängern übernahm, und wo der Vergleich mit den Leiſtungen derſelben nicht leicht ein unbefangenes Urtheil zuläßt. Im Theater an der Wien tobte ein großes fünfaktiges Ritterſchauſpiel:Der nigsſtuhl am Rhein, oder, die Braut bewerbung, zur Einnahme des fleißi gen und verwendbaren Herrn Voſard, über die Bretter. Man wetterte darin herum, daß es eine Freude war und die 5 Akte gingen glüklich zu Ende. Unſer Raimund iſt von ſeinen Gaſt rollen in München mit Nuhm bedekt wieder in Wien angekommen. Er kam an demſelben Tage an, als der Leich⸗ nahm ſeines ehemaligen Freundes und Kollegen, des rühmlich bekannten Ko mikers Ignaz Schuſter, zu Grabe ge tragen ward. Schuſter ſtarb allgemein betrauert nach einer dreitätigen Krank-