Jahrgang 
Band 2 (1835)
Seite
732
 
Einzelbild herunterladen

732

und die Wände mit Leuchtern zu drei und mehr Lichtern geſchmükt. Die Höhe der Zimmer macht eine ſtarke Beleuchtung nothwendig, und da das Kokusnußöl dort wohlfeil iſt, ſo hat jedes Haus eine treffliche Beleuchtung. Eine der ſchönſten Zierden der Stadt in der Nacht beſteht in der Lichtfluth von den un⸗ zähligen Lampen in den Häuſern der Reichen, wenn alle Fenſter derſelben ge öffnet ſind und die Helle auf die Straßen fällt. Der Punkah iſt eine andere eigenthümliche Zierde einer Wohnung in Caleutta. Er beſteht aus einem ge⸗ gen zwei Fuß breiten hölzernen Gerüſte, das in der Mitte des Zimmers hängt und faſt über die ganze Länge deſſelben hingeht. Dieſes Gerüſt iſt mit bemal ter Gaze oder geblümtem Seidenzeuge behangen und an den Eken mit goldenen Zierathen geſchmükt. Es hängt von der Deke herab an Seilen, die mit ſchar lachrothem Zeuge überzogen ſind, etwa ſieben Fuß von dem Fußboden. In der Mitte befindet ſich ein anderes Seil, der ganze Apparat wird daran hin- und hergezogen und erregt ſo einen ſtarken Luftzug, der die umgebende Atmoſphäre erträglich macht, wenn die Hize zu ſtark iſt. Die Stühle und Tiſche ſind ge wöhnlich von ſchönem Holze, hübſch geſchnizt, und die Sophas gewöhnlich mit ſeidenem Damaſt überzogen. Dem Fremden, der in ein Haus in Indien tritt, das von Europäern bewohnt wird, fällt ſogleich eine Eigenthümlichkelt auf: alle Stühle, Sophas, Tiſche de. ſtehen wenigſtens einen Fuß von der Wand ab, eine nothwendige Vorſichtsmaßregel in einem Lande das von Inſekten, Schlangen ac. wimmelt. An jeder Seite des Zimmers gibt es Thüren, und die Vorzimmer ſcheinen mit Geiſtern angefüllt zu ſein. Diener in weißen flie genden Gewändern gleiten nämlich mit geräuſchloſem Tritte nach allen Rich- tungen hin, und es währt lange, ehe wan ſich an dieſe Menge von Diener ſchaft gewöhnt, die das Recht zu haben glaubt, in dem ganzen Hauſe herum

zuwandern.

Engliſches Urtheil über Deutſchland.

In einem Schreiben imMorning-Herald heißt es:Ich fuhr von Saarbrüken über Weimar und Leipzig nach Dresden, und bemerkte dabei, daß kein Theil von England reicher an wahrem Wohlſtandiſt, als dieſe Gegenden. Ueberall ſind die preuß. Eilwagen viel beſſer als die franz.; die Straßen ſind macadamaſirt. und ſo gut als möglich; die Wirthshäuſer und die Bequemlichkeiten für die Reiſenden ſind wahrhaſt wunderbar. Die Gaſthöfe in den großen Städten, in Frankfurt und Leipzig, ſind wegen ihres Umfangs ſchon ſehenswerth, und während der Meſſe trifft man dort 200 bis 400 Perſonen am Mittagstiſche oder am Abendtiſche. Aber auch die Wirthshäuſer in ben Dörfern ſind gut, beſſer als die Wirths häuſer auf dem Lande in England, und viel beſſer als die auf dem Lande in Frankreich. Ich bin in keinem geweſen, wo man nicht jeden Gegenſtand des Lupus und jeden fremden Wein für einen angemeſſenen Preis erhalten konnte. Der ganze Anblik des Landes zeigt, daß die Arbeit bezahlt wird. Die Bau ernhäuſer ſind reinlich, die Aeker wohl gepflügt, die Leute gut gekleidet, kräftig und geſund. Von der franzöſiſchen Grenze bis nach Böhmen ſieht man keine Bettler. Es iſt in der That höchſt auffallend, wie ſehr, dem allgemei nen Anſchein nach, die Dörfer und das Volk in Frankreich denen in Deutſch

land nachſtehen.