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zuſammen gegangen ſein, und Pritcheraft that während dieſer Zeit das Aeu— ßerſte, ſich als den angenehmſten Menſchen auf Gottes weiter Welt zu bewei— ſen, da gelangten ſie zu dem Wagen, auf deſſen fliegender Vrüke Joſeph, der Diener, in reiner ländlicher Einfalt ſanft und feſt entſchlummert war. Pritcheraft hob die Damen in den Wagen, nicht ohne zu bemerken, daß ſolcher von hellgelber Farbe und auf dem Schlage mit einem ſchwarzen Adlerflügel geziert war. Sobald die Damen ihre Pläze genommen, bat die ältere um den Namen des Herrn, dem ſie Beide ſo tief verſchuldet ſeien, und ſezte hinzu, ſie ſei gewiß,„Doktor Lovegrove werde durch ſeine Güte ſich höchlichſt ver— pflichtet fühlen.“—„Pritcheraft, Ihnen zu dienen, Madame,“ war die un— hoffährtige Antwort, welche der Inhaber dieſes Namens mit einem tiefen Bük— ling begleitete. Ein gütiges Lächeln und ein würdevolles Bewegen des freund— lichen Fächers wurde ihm von der ältern, eine leichte Kopfneigung von der jungen Dame zu Theil; dann rollte der gelbe Wagen mit den ſchwarzen Ad— lern und dem ſchlaftrunknen Joſeph, der jezt aufrecht und feſt an den Wagen— haltern hing, durch Wolken von Staub auf Piccadilli zu.
Der Wagen war unſerem galanten, nun einſamen Freunde kaum aus den Augen, als ein voller Strom von Gedanken auf ihn einbrach und er, faſt unwiſſentlich den Weg nach Hauſe nehmend, in einem fort mit halber Stimme vor ſich hinmurmelte:„Lovegrove, Lovegrove— ja, ja, das war der Name, und auch das Wappen ein Adler— merkwürdig!— ſchönes, reizendes Mädchen] ganz gewiß eine Verwandte meines Freundes, Harry Lovegrove— morgen früh muß ich zu ihm.“— Der Morgen kam und aus ſeiner Wohnung in Upper-Berkeleyſtraße ſtürzte Pritcheraft nach dem Tempel und befand ſich bald im Bureau ſeines alten Univerſitätsfreundes. Lovegrove praktizirte beim Gerichtshofe und widmete in einem, ungefähr fünfzehn Fuß im Viereck halten— den Zimmer, das ſchwarz und räucherig genug war, um viel Aehnlichkeit mit einem Kohlenſchiffe zu haben, der Fernſicht auf Ruhm und Geld den beſten Theil ſeiner Kräfte. Auch verſicherten wirklich alle Rechtsgelehrte, ſeine Aus— ſichten ſeien ganz herrlich, denn er praktizirte erſt ſeit acht Jahren, und ſchon belief ſich ſeine lezte Jahreseinnahme auf 52 Pfunb, keinen Schilling und ſechs Pence, während ſeine lezte Jahresausgabe, Reiſe- und Bureaukoſten einge— ſchloſſen, die mäßige Summe von 350 Pfund Sterling betragen hatte. Pritchcraft ſeinerſeits, der ſich dem geiſtlichen Stand gewidmet, war von der Univerſität fortgeſchikt worden; er hatte dadurch nicht bloß die Gelegenbeit, dem geiſtlichen Stande anzugehören, ſondern, was ihm noch ungleich wichtiger zu ſein ſchien, auch die Gewißheit verloren, eintretenden Falls in einer der fruchtbarſten Grafſchaften Englands eine warme, einträgliche Pfründe zu er⸗ halten, und ſich daher genöthigt geſehen, bei ſehr beſchränktem Einkommen zu der großen Klaſſe von Menſchen überzutreten, welche in London wegen ihrer vielen nüzlichen und angenehmen Eigenſchaften allgemein geſchäzt und allge— mein unter dem Namen der Pflaſtertreter bekannt ſind.
(Fortſezung folgt.)
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Die Häuſer der Engländer in Calcutta, ſchreibt man von dort, haben wenige, aber hübſche Meubles. Die Fußboden ſind mit großen Deken belegt,


