706 450 — das Lachen der muntern Geſellſchaften in den Gärten klang nicht mehr zu ihnen herüber, das Lied der Nachtigallen in den dunklen Bäumen des Parks war ver⸗ ballt. Eine müde Libelle, die ſich zu weit von dem Schilf es it fernt batte, ließ ſich raſtend auf der über den Kahn binausragenden 1 8 nieder und ſonnte die blau ſchimmernden Flügel im Abendlicht.
Felix gewahrte nichts von dem Allen. Fanny ließ die Vlike öberan um⸗ bhergleiten und ſagte:„Wie ſchön!— aber wie langweilig! Sprechen Sie et⸗ was, Felix.“
Der Angeredete bewegte ſich nicht, und ſagte, ohne das Mädchen anzu⸗ bliken:„„Mich wundert's, wie Sie ſo lange geſchwiegen haben; ich vergaß ganz, daß Sie hier in meiner Nähe ſind.“
„Das glaub' ich nicht,“ lachte Fanny.„Sie dachten beſtändig an mich, und ſuchten gewiß durch Ihr Schweigen und die nachläſſige Stellung, die Sie anzunehmen für gut fanden, meine Aufmerkſamkeit zu erregen. Dieſe Lage iſt wirklich ſehr vortheilhaft, Ihre Schönheit hervorzuheben. Das Abendroth ſcheint ſo romantiſch in Ihr langweiliges, widerwärtiges Geſicht, und ſpiegelt ſich in Ihrem matten, ſchläfrigen Auge; Ihre herabhängende Hand ſpielt und plätſchert ſo träumeriſch in dem hellen Waſſer, als dachten Sie, wer weiß, woran? An mich denken Sie, Langweiligſter der Menſchen, und ärgern ſich vielleicht, weil Ihre bequeme Lage Ihnen nicht erlaubt, zu ſehen, welchen Eindruk Sie eben auf meine Wenigkeit machen.““
Felix biß ſich in die Lippen, dann ſagte er:„„Sie haben recht, Fanny, zum Theil wenigſtens; ich dachte eben an nichts und allerlei, und ſo beiläufig auch an Sie. Doch Ihre unbegrenzte Eitelkeit taͤuſcht Sie, Holdſeligſte, wenn Sie glauben, daß ich im Geringſten danach ſtrebe, Ihnen zu gefallen. Das iſt vorbei, das macht mir keinen Spaß mehr.““
„So? Warum denn nicht?“
„„Seit Sie mich lieben,“ erwiderte Fell im gleichgiltigſten Tone, „siſt mir die Sache langweilig geworden.““
Fanny erglühte.„Tränmen Sie, oder ſcheint das Licht der Abendſonne zu heiß auf ihren bloßen Kopf““
„„Keines von beiden, meine Freundin,“ entgegnete er.„„Warum wol⸗ len Sie mir jezt verbergen, was unzählige Ihrer Worte mir längſt geſtanden baben. Sie lieben mich.““
„Meine Worte?!“
„„Ja. Beſtändig zanken Sie mit mir; beſtändig, ohne alle Veranlaſ⸗ ſung dazu, nennen Sie mich widerwärtig und häßlich und langweilig und ab⸗ ſcheulich. Was ich ſage oder nicht ſage, thue oder laſſe, nichts iſt Ihnen recht. Wenn Sie mit mir ſprechen, ſind Sie ſtets in gereizter Stimmung, und das gleichgiltigſte Wort von mir verwundet und regt Sie auf. Doch wozu das Alles herzählen? Das iſt auch langweilig. Genug, Sie lieben mich.““
Fanny war aufgeſtanden; ſie zitterte und ſah mit irren, wilden Bliken umher. Auch er richtete ſich empor.
„„Kränkt es Ihren Stolz, daß Sie ſich verrathen haben 2 Sie ſehen gerabe aus, als wollten Sie den ſchönen Leib in dieſe ſtillen Fluthen beni,*
„Meinen Sie!“


