703
Wege von Paris nach Neuilly gemel— det: Der wahrſcheinliche Thäter iſt ein Poſtbeamter zu Paris, Namens Ver⸗ ninhac de St. Maur, der bereits im Gefängniß ſizt, aber noch nicht ge- ſtanden hat. Varninhac hatte, wie ſich jezt ergeben hat, ſeit längerer Zeit Wechſel, Banknoten u. ſ. w. aus Brie⸗ fen und Paketen entwendet, und ſich des Ermordeten, welcher Caſes hieß, bedient, um die, zum Theil auch ver⸗ fälſchten Papiere zu Gelde zu machen. Entdekung fürchtend, weil ein Kauf— mann die Zahlung eines, von Caſes präſentirten, mit falſchen Endroſſements verſehenen Wechſels verweigerte, hatte er dieſen beredet, nach ſeiner Heimath, der Normandie, zurük zu kehren, und ihm eine Penſion verſprochen. Es ge— fiel aber Caſes nicht zu Hauſe, und er kehrte nach Paris zurük, wo ihn dann Verninhac nach Neuilly hingeſchikt und dort ermordet haben ſoll. Der Dolch, womit die That vollbracht wurde, iſt gefunden und für den Ver⸗ ninhac's anerkannt worden. Die Spize iſt abgebrochen, und bei der, in Ver— ninhac's Gegenwart vorgenommenen Leichenöffnung fand man den Armk no chen durchbohrt; man glaubt daher, daß die Spize noch darin ſteke. Verninhac iſt mit den Arbeitern der Waffenfab— rik, in welcher Caſes beſchäftigt war, konfrontirt worden, und dieſe haben erklärt, daß er den Ermordeten öfters beſucht habe. In Verninhac's Wohnung bat man viele Briefe mit dem Poſtzei— chen, Wechſel u. dgl. gefunden. Noch drei andere Poſtbeamte wurden, als der Theilnahme an dem Verbrechen ver— dächtig, in Haft genommen, da ein neulich bei Verninhac Statt gehabtes Trinkgelage einige Spuren geliefert hatte, welche die Polizei weiter ver— folgt. B. New⸗ Pork. Die Bewohner von Mobile(Niſſiſſippi) wurden kürz⸗
lich in Aufregung verſezt durch die Nachricht, daß ein Kind des Dr. Geß— ner von dem Bruder deſſelben geraubt worden ſei. Der Räuber hatte einen Brief zurük gelaſſen, worin er ſich er— bot, gegen eine Summe von 50,000 Dollars das Kind zurük zu geben, ein anderer in Mobile wohnender Bruder ſei beauftragt, das Geld in Empfang zu nehmen. Da der betrübte Vater in die Zahlung dieſer Summe willigte, ſo begab ſich der Bruder nach der Bank, wurde aber dort von den Mitgliedern der Feuerkompagnie, die eben von einer Feuersbrunſt zurükkehrten und den Vorfall erfuhren, feſtgenommen, und zum Verhöre abgeführt. Er geſtand, daß der Ort, wo das Kind verborgen gehalten werde, ihm bekannt ſei, und erbot ſich, daſſelbe herbeizuſchaffen, wenn der Bruder, der es geſtohlen, ungehindert das Land verlaſſen dürfte. Dieſes wurde zugeſtanden, und ein Boot ausgerüſtet, welches am nächſten Morgen mit dem Knaben zurük kehrte. . Toulon. Zu Sarſene in Kor⸗ ſika lebt ein Mann, Namens Colonna, der bei dem Volke als Prophet gilt. Leicht dürfte aber ſein kürzlich ertheil— tes Verſprechen, daß mehrere, in einer kleinen Kapelle begrabene Perſonen noch in dieſem Monate aus ihren Grä— bern aufſtehen ſollen, ſeinem Prophe— tenanſehen ein Ende machen. C. Lyon. In einem Garten zu Fernay hatte man dieſen Herbſt die auffallende Erſcheinung, daß ein Wein— ſtok, der bisher nur ſchwarze Trauben getragen hatte, an demſelben Stamme mit dieſen auch ſchöne weiße Trauben trug. E. Vordeaux. Hier beging kürz⸗ lich ein Blödſinniger, in der fixen Idee, daß er der König von Preußen ſei, allerhand auffallende Streiche. Als er vor den Polizeikommiſſär gebracht wur⸗


