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Praxis erwirkt haben. Nun iſt aber auch dieſes Hiſtörchen, das mehrere be— deutende Behörden kompromittirt, nicht minder falſch. Die neueſten öffentlichen Schikſale der Homöopathie in Frank— reich ſind folgende: Ihre in Frankreich lebenden Jünger ſuchten im März 1835 beim Miniſterium an, ihnen Spital und Apotheke(dispentaire) zu bewil⸗ ligen, ber Ordnung gemäß wurde die Meinung der Akademie abverlangt, ihre Aeußerung iſt im Journ. hebd. d. Progr. d. sc. et inst. med. 1855 Nr. 16 abgedrukt und ich gebe ſie in getreuer Ueberſezung hier wieder:„Aemtliches Schreiben der Akademie an das Mini⸗ ſterium, eine die Homöopathie betref— fende Beantwortung. Herr Miniſter! Die Homöopathie, die ſich Ihnen als eine Neuigkeit ſo eben vorſtellt, und ſich in deren Zauber hüllen wollte, iſt weder der Wiſſenſchaft noch der Kunſt etwas Neues. Seit mehr denn 25 Jah- ren irrt dieſes Syſtem allenthalben umher, zuerſt in Deutſchland, dann in Preußen, ſpäter in Italien und gegenwärtig in Frankreich; es ſuchte überall, und überall vergeblich ſich in die Medizin einzuſchleichen. Die Aka— demie hat ſich mehrere Male und zwar ziemlich lange mit ihr befaßt. Ja es wird kaum eines ihrer Mitglieder ge— ben, das ſich es nicht mehr oder min— der ernſtlich zur Pflicht gemacht hätte, ihre Grundlagen, Richtung, Verfah- rungsarten u. Wirkungen zu erforſchen. Die Homöopathie wurde bei uns, ſo wie anderwärts zuerſt ſtrengen logiſchen Methoden unterworfen, und beim er— ſten Anblike hat die Logik in dieſem Syſteme eine Menge jener Annahmen bezeichnet, die den anerkannteſten Wahr— heiten förmlich entgegen ſind, eine gro— ße Anzahl jener auffallenden Wider— ſprüche und jener handgreiflichen Un— gereimtheiten, die in den Augen auf— geklärter Männer alle falſchen Syſteme
unfehlbar ſtürzen, doch nicht immer hinreichen, um der Leichtgläubigkeit der Menge Grenzen zu ſezen. Wie ander— wärts wurden auch bei uns die That⸗ ſachen der Homöopathie einer Unter— ſuchung unterworfen, und hatten die Prüfung der Erfahrung zu beſtehen; und die redlich befragte Beobachtung hat bei uns, ſo wie anderwärts, die möglichſt kategoriſchen und gewiſſenhaf— teſten Antworten ertheilt; denn wenn man auch hie und da Beiſpiele von Hei— lung durch homöopathiſche Behandlungen anpreiſet, ſo weiß man doch, daß einer ſeits die vorgefaßten Meinungen einer leicht beweglichen Phantaſie, und an— dererſeits die Heilkräfte des Organis⸗ mus gerechtermaßen ſich den Erfolg zu— eignen, hingegen hat die Beobachtung die tödlichſten Gefahren ähnlicher Ver fahrungsarten in den häufigen und be— denklichen Fällen unſerer Kunſt ausge— wieſen, in welchen der Arzt eben ſo viel Unheil ſtiftet und nicht weniger Schaden anrichtet, indem er gar nichts thut, als hätte er zwekwidrig gehandelt. Verſtand und Erfahrung ſind alſo ver— eint, um mit aller Macht der Intelli— genz ein ähnliches Syſtem von ſich zu weiſen, und den Rath zu ertheilen, es ſich ſelbſt und ſeinen eigenen Mitteln
zu überlaſſen. Der Wahrheit frommt
es und den Syſtemen ſelbſt, beſonders den arzneilichen iſt es forderlich, wenn ſie vom Staate weder angegriffen noch vertheidigt, weder verfolgt noch be— ſchüzt werden. Eine geſunde Logik un— terſucht ſie am richtigſten, ihre natür— lichen Richter ſind die Thatſachen, ihr untrüglicher Probierſtein die Erfahrung.
Man muß ſie alſo ungehindert dem
Einfluß der Zeit überlaſſen, der erha— benſten Richterin ähnlicher Gegenſtän— de; ſie allein verdammt die nichtigen Theorien, ſie allein begründet feſt die Wahrheiten, die in den Wiſſenſchaften zu herrſchen haben, Fügen wir hinzu,


