Jahrgang 
Band 2 (1835)
Seite
693
 
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der Fall war, ſelbſt nicht bei den hier denkwürdlgen Gaſtrollen einer Hagn, eines Wild, einer Schröder-Devri ent u. ſ. w. Die Sache verhielt ſich ſo. Hr. Carl Gaede,Schauſpieler, dendie Proben nicht erlaubten, ſeine perſönliche Einladung zu machen, hatte eine Benefize und da wurde eine Gal⸗ lerie drolliger und intereſſanter(2) Sze nen aus der Theaterwelt gegeben, her beige führt durch denVenefizian⸗ ten in der Klemme, ein Gelegenheits- Vorſpiel nach Neſtroy; dannder heurige Wein im Promontorium und was noch des Firlefanzes dieſer Art mehr war(die Damen Mink und Sche beſt waren hier nicht an ihrem Plaze) und finis coronat opus den Schluß machte:Die Seiltänzer in Sorokſar, lokales Scherzſpiel mit Muſik und Tanz in einem Akt, nach einer Anekdote von B. Notna, das Arrangement des Ganzen u. ſ. w. wie gewöhnlich. Das erklärt aber noch nicht den großen Zudrang, ſondern Folgen des: Seit vielen Jahren zirkulirt unter der nicht faſhionablen Volks- klaſſe Peſths und des nachbarlichen Fle kens Sorokſar eine Anekdote, die zwar nicht abſonderlich viel Wiz und Geiſt verrathet, aber deſto mehr Derbheit und Ultra⸗Trivialität in ſich faßt, und daher ſchwerlich in höhern Kreiſen nach erzählt wurde; doch ſoll ſie ſich wirk lich vor vielen Jahren buchſtäblich zu⸗ getragen haben. Man erwarte aber auch von uns nicht mehr, als daß wir blos andeuten, daß einHausherrnſohn von Peſth,Sorok ſar,Seiltänzer und noch etwas hier Unnenbares in dieſer unartigen Anekdote die Hauptrollen ſpie⸗ len. Läßt es ſich nun anders anneh⸗ men, als daß das große Pablikum der fernſten Vorſtädte in Maſſe dem Schauſpielhauſe, woſelbſt es die alte Begebenheit perſonifizirt und plaſtiſch

zu ſehen hoffte, zuſtrömen werde, um!

Zu ſehen das Spektakel In dieſem Tabernakel?

Aber das Volk denkt und der Dichter lenkt. Ungeduldig benahm ſich Freund Plebs bei demBenefizianten in der Klemme nach Neſtroy; ſelbſt die Gallerie langweilte ſich bei der Gallerie drolliger Szenen; man ſchimpfiſirte auch hier über denheu⸗ rigen Wein im Promontorium, und als endlich derSeiltänzer in Sorok ſar ſeine Purzelbäume auf ſeine Art zur Schau ſtellte und die kontribui⸗ rende Menge der obern Regionen, den Schluß des ganzen nicht ſehr würzhaf⸗ ten Gebräues herannahen ſah, ohne die ſehnlich, doch vergebens erwartete Hauptpointe, das Unnenbare wahrzu⸗ nehmen, da machte ſte ſich in gewiſſen Mißtönen Luft und verließ vollReue ohne Erſaz das Haus und wer weiß ob ſie ſobald in ſolchen Kolonnen wieder kehren werde. J. M.

RKorreſpondenf.

Paris.(Mitgetheilt von Dr. M. Roſenthal in Peſth). Die franzö ſiſche Journaliſtik, dieſe Meiſterin im Erfinden, verbreitete bei Hahnemanns Debut in Paris, er habe ſeine junge Gemahlin in dem Chevertrag als Uni⸗ verſalerbin eingeſezt, und als condi- tio sine qua non zugeſagt, mit ihr nach Frankreich zu ziehen; dieſem wi⸗ derſprechen jedoch die bereits vor eini⸗ ger Zeit, eines ähnlichen falſchen Ge richtes halber, von Hahnemann ſelbſt in öffentlichen Blättern bekannt gemach⸗ ten Ehepakten. Ein viel artigeres Stük⸗ chen iſt hingegen folgende Erdichtung: Die Akademie ſoll Hahnemann die Pra⸗ vis durchaus verboten haben, ſeine ga⸗ lante junge Frau hingegen bei dem Miniſter Guizot ganz unerwartet ih⸗ rem Homöopathen ein Brevet für die