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Waſſſerbauten in Egypten.
Das Ausland enthält einen Artikel über die Thätigkeit der St. Simo⸗ niſten in Egypten, und die gegenwärtig in dieſem Lande unter ihrer Leitung vor ſich gehenden öffentlichen Arbeiten, worin Folgendes berichtet wird:„Der Nil theilt ſich drei Meilen oberhalb des Punktes, wo wir(d. h. die Simoni⸗ ſten) uns befinden, in zwei Arme, welche ſich bei Roſette und Damiette in das Meer werfen. Das große Delta, das ſie bilden, will nun der Paſcha nicht dem Zufall der zu hohen und niedern Ueberſchwemmungen überlaſſen, und will dieſe einer Regelmäßigkeit unterwerfen, welche eine immer gleiche Waſſerfläche ſichert; dazu die Dammarbeiten. Die Schwierigkeiten der Arbeit ſind groß, doch muß man ſie ſich nicht übertreiben, denn die Bauten werden nicht im Flußbette ſelbſt unternommen, ſondern man gibt jeden der zwei Arme ein neues und geraderes Bett, etwa von der Länge einer Stunde oder etwas mehr, und in diefen, ſo lange es noch troken iſt, wird der Grund der Damme ge— legt. Dieſe werden zwei ungeheure Vrüken bilden, deren Bogen mit Schleu⸗ ſen verſehen ſind, um den Nit nach Gefallen zu ſteigen oder fallen zu laſſen. Unterhalb dieſer Schleuſen wird ein Kanal gegraben, welcher beſtimmt iſt“ die beiden Nilarme zu verbinden, und von ihm laufen ſenkrecht drei Kanäle aus, welche er mit Waſſer verſieht. Der mittlere derſelben durchſchneidet das Delta ſeiner Länge nach, die beiden andern bilden die Nebenkanäle der Fluß⸗ arme, und ſind zur Schifffahrt beſtimmt. Sie ſollen die Boote aufnehmen, welche den Mittelkanal herauf kommen, und ſie durch einen Verbindungs kanal in die beiden Nilarme bringen, von wo ſie den Fluß weiter hinauf ſteigen können. So wird das Vett des Nils korrigirt, die Schifffahrt erleichtert, und die Fruchtbarkeit des Delta geſichert werden. Der Paſcha ſelbſt hat dieſe ſchöͤne Idee gefaßt, ein franzöſiſcher Ingenieur, Linant, hat den Plan ent⸗ worſen, und iſt mit der Aus führung beauftragt.
Beſcheidenes Aufſichnehmen.
Ein Theaterdirektor hatte die Ehre, einen vornehmen Herrn in ſeinem Theater zu begrüßen. Er empfing ihn auf dem Flur, deſſen Thüre von eini— gen neugierigen Straßenjungen beſezt war, deren Anblik ihn wohl in ſeiner Begrüßungsrede ſtören mochte; er ſchloß daher die Thüre und wollte eben ſel— nen Sermon beginnen, als ein Bube die Thür wieder öffnete und„Schafs— kopf“ hinein rief. Der erſchrokene Direktor faßte ſich ſchnell und mit ſeltener Gegenwart des Geiſtes, ſagte er zum hohen Gaſte:„Verzeihen gnädiger Herr, der Junge meint mich!““
Leitung der Novitäten und Anfichten. Schauſpiel dar. Ein großer Theater- zettel, gepfropft voll der ſeltſamſten und
Theater. bizarrſten Dingen, lokte ſolch eine er⸗ Peſth. Am 26. d. M. bot un- ſtaunliche Menge ins Theater, wie es ſer Muſentemp⸗l ein außerordentliches] vielleicht ſelt Menſchengedenken nicht


