Jahrgang 
Band 2 (1835)
Seite
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benen anempfohlenen Reiſebequemlichkeiten in meinem Wagen bei mir zu ha ben, als in Muskau ſelbſt. Was hatte mich übrigens berechtigt, mich in der Mitte der Niederlauſiz auf ein Stük England gefaßt zu machen? Aber Ideen verbindungen hatten mich dazu verfährt.

Im Park war Alles noch im Schlafe; doch ein kleines Mädchen aus der Stadt hatte ſich uns zur Führerin angeboten. Meine Unbekannte ſagte:Mir iſt, als ſollte ich einen Zauberpallaſt betreten, indem ich meinen Fuß auf das Gebiet eines Mannes ſeze, der nicht nur Rahel und Bettina berükt, ſondern auch die Kunſt verſtanden hat, den Kritikern unſerer Zeit nur dann unter die Zähne zu kommen, wenn ſie eben ihre Giftblaſe geleert hatten, eines Mannes, dem Heinrich Laube Liebesbriefe nach Algier dedizirt, und der mich ſelbſt, troz meiner unmaßgeblichen Meinung, daß er uns am Ende alle bei der Naſe herumführt, doch immer von Neuem anzieht und mir zu den⸗

ken gibt. (Beſchluß folgt.)

Meyerbeer und die Kazen. Auber.

Während Chateaubriand eine wahre Leidenſchaft für die Kazen hegt, und ſortwährend Junge um ſich herumſpielen ſieht, hat Meyerbeer den größten Widerwillen gegen dieſe Thiere, und bekommt bei dem Anblike derſelben Ner venzufälle, die ihn zwingen ſie zu entfernen. So kam er kürzlich auf das Landbaus Scribe's, um daſelbſt einige Tage zu verweilen. Kaum war ſein Pferd ausgeſpannt, und man begann einen Spaziergang im Parke, ſo ſah die Nichte Scribe's Herrn Meyerbeer bleich werden; man umringt ihn, man war höchſt beſorgt und hielt ihn für krank; lange wich er allen Fragen aus, und erſt nach langer Zeit geſtand er ſeinen Widerwillen gegen die Kazen. Man trieb alle hinweg, die ſich im Hauſe befanden, und Meyerbeer wurde wieder, wie er immer iſt, geiſtreich, friedlich und geheimnißvoll, denn er umgibt ſich ſehr gern mit Geheimniſſen. Auber beſizt die ſchönſten und theuerſten Pferde in Paris, und er iſt ein leidenſchaftlicher Liebhaber dieſer Thiere. Die bei⸗ den Gebete in derStummen von Portici wurden von Auber in ſeinem ſieb zehnten Jahre zu einer vierſtimmigen Meſſe komponirt, die man in einem klei nen Dorfe bei Paris ſang.

Das Mädchenregiment Randſchit Sings.

Nandſchit Sing, der Fürſt von Lahore, ſagt Burnes, war der am ein fachſten gekleidete Mann an ſeinem Hofe. Wir fanden ihn auf einem Stuhle ſtzend, umgeben von dreißig bis vierzig Tänzerinen in Männerkleidern. Sie waren meiſt aus Caſhmir oder den umliegenden Gebirgen, denen die Natur Anmuth und Schönheit in hohem Maße verlieh. Geſtalt und Züge der Tän zerinen waren ſehr klein, und ihre Don-Juan-Kleidung, gehoben durch Köcher und Vogen in der Hand einer jeden, ſtand ihnen ſehr gut. Die Augen von Caſhemir ſind berühmt in der Poeſie des Orients, und dieſe Dianen boten in ſchwarzen klaren Edelſteinen Proben davon dar, die jedoch durch funkelnden