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terlaͤndiſchen Dichters kamen, lediglich aus Produkten inländiſcher Schriftſtel⸗ ler. Die„Aurora“, ſchon durch ihr neues, ungemein geſchmakvolles Aeu— ßere für ſich einnehmend, bietet vier Erzählungen, hiſtoriſchen, konverſa— tionellen und humoriſtiſchen Inhaltes dar, denen gelungene Sagen, Gedichte und Räthſelſpiele zum Intermezzo die⸗ nen. Das„Veilchen“ und der„Freund“ haben in dieſer Art keine Nebenbuh— ler; ſie bieten dem Gros des Publi— kum's, für welches ſie beſtimmt ſind, vollkommene Befriedigung, ohne die Anforderungen der Kritik aus dem Nuge zu laſſen.— Ein für 1856 an⸗ gekündigter Almanach von einem A. Schilling erſcheint nicht, ſo wie das deutſche Taſchenbuch, das Ph. v. Kör⸗ ber in Mailand herausgeben wollte, nicht zu Stande kam. M.
Korreſpondenz.
Paris. Das Theatre-frangais kehrt, zur Freude ſeiner Beſucher, zu dem alten, guten Repertoir zurük, und läßt die ſogenannte klaſſiſche Lite⸗ ratur der Kaiſerzeit bei Seite liegen. So kommt der Molieère'ſche Etourdi, nach langer Rahe, wieder an die Rei- he, und verdrängt die Etourdis des ſeligen Hrn. Andrieur, und ſo wird auch Regnard wieder belebt, der alte, phantaſtiſch-luſtige Regnard, der es ver⸗ dient, gleich nach Molière genannt zu werden. Neulich gab man ſeine geiſt— reiche Poſſe Je Légataire, die mit gro⸗ ßem Beifall aufgenommen wurde, und dem an demſelben Abend gegebenen De— lavigne'ſchen Drama: les enfans d' Edouard, großen Abbruch that.— Kürzlich wurde ber neuen Kommiſſion ein arger Streich geſpielt. Es wurde ein dikes Manuſkript in Verſen eingereicht, welches zwei bekannte Autoren für die
Comédie frangaise beſtimmt hatten.!
Nach zwei Tagen erhalten dieſe es mit dem Bemerken zurük, daß es zwar große Schönheiten, jedoch auch viele politiſche Anſpielungen enthalte, die man nicht paſſiren laſſen könne. Es befanden ſich netto fünfzehnhundert an⸗ geſtrichene Stellen im Manuſkripte. Vierhundert Verſe ſollten ganz weg—⸗ bleiben, 300 Halbverſe waren zu mo— difiziren, 500 Worte mußten durch an⸗ dere erſezt werden, 12 Szenen waren geſtrichen und 20 Namen verändert worden, Alles dies als ſchädlich für die öffentliche Ruhe, die politiſche Ord— nung und die dramatiſche Wohlanſtän— digkeit. Hierauf ſchrieben beſagte Au— toren Folgendes der Kommiſſion:„Mei— ne Herren! Wir haben die Ehre, Ih⸗ nen den Empfang des zenſurirten Ma⸗ nuſkripts, ſo wie des beiliegenden Briefs zu melden. Wir pflichten Ihrer Meinung bei, daß die angezogenen Stellen der öffentlichen Ruhe, der po— litiſchen Ordnung und der dramatiſchen Wohlanſtändigkeit ſchädlich werden dürf— ten. Da wir uns aber nicht entſchlie— ßen können, die Verſe von Pierre Cor-⸗ neille zu verſtümmeln, ſo wollen wir lieber dem Vergnügen entſagen, der Comédie frangaise den„Nicomède““ dieſes großen Dichters zur Aufführung vorzuſchlagen.“ Und in der That war es dieſes Trauerſpiel, welches die jun— gen Leute mit verändertem Titel hat⸗ ten abſchreiben und einreichen laſſen. — Von Berton, dem Komponiſten der Aline, kommt eine hinterlaſſene Oper: le Chateau d'Urtuby, nächſtens zur Aufführung, worin der Sohn deſſelben ſein erſtes Debüt beſtehen wird. Zwei neue Theater werden nächſtens wohl zugleich eröffnet werden: das der Vorſtadt St. Antoine und das der Gaité,— Von Paul de Kok erſcheint ein neuer Roman, unter dem ſonder— baren Titel:„Ni jamais ni toujours, c'est la devise des amours.“— Der


