Jahrgang 
Band 2 (1835)
Seite
654
 
Einzelbild herunterladen

654

nen, nämlich mit: Zufall, ein Zu⸗ fall aber kann keine Moral ſein, weil dieſe nichts Zufälliges iſt. Es kömmt daher darauf an, von welchem Geſichts punkte man dieſes Stük betrachtet. Uebrigens iſt das Ganze, namentlich die erſten zwei Aktſchlüſſe ſo ſinnig zuſammengeſtellt, mit ſolch draſtiſch wirkenden Epiſoden ausgeſtattet, daß es ſchon deshalb mit Recht die Aner kennung verdient, deren es ſich zu er⸗ freuen hat. Im Joſephſtädter Theater herrſcht große Verwirrung; Hr. Schei ner, der Direktor, hat Wien heimlich verlaſſen und die Geſellſchaft iſt nun ſich ſelbſt überlaſſen. Policinello.

Literatur.

Klagenfurt. Der hieſige Oich⸗ ter, Ad. Ritter von Tſchabuſchnigg, beſchäftigt ſich, außer der Beſorgung eines Almanachs für 1856,(zu wel⸗ chem die, bei C. Haas in Wien er⸗ ſchienenen, chalgographiſchen Nachbil dungen der vorzüglichſten Gemälde in der k. k. Bildergallerie benüzt werden ſollen), mit einem größeren novelliſti⸗ ſchen Stoffe. Das achte Heft der waker redigirten kärntneriſchen Zeit⸗ ſchrift enthält, außer einer getreuen Schilderung des intereſſanten Möll⸗ thales im Villacher-Kreiſe, einige treff⸗ liche poetiſche Beiträge. R.

Marburg(in Steiermark). Das k. k. Gymnaſium dieſer, durch Or. kaiſ. Hoheit, des Eczherzog Jo- hann, Herbſt-Aufenthaltes auf dem benachbarten Pickerer-Weingebirge, merkwürdigen Kreisſtadt, zählt unter ſeinen ausgezeichneten Lehrern auch zwei Schriftſteller, die Profeſſoren Georg Molly und Dr. Rud. Guſt. Puff. Von dem Erſteren erſchien(bei Damian und Sorge in Gratz) ein adußerſt intereſ⸗

ſantes Werk:Andeutungen über Ma thematik und Philoſophie und ihr Vet- hältniß zu einander. Lezterer, durch ſeine Beiträge für die Modezeitung, Carinthia, das illyriſche Blatt, das Vürgerblatt, die Aurora u. a. nicht unbekannt, gab ein Bändchen Gedichte (Marburg, 1835). H. Gratz. Die neue Folge der. nach modifizirtem Plane erſcheinenden, ſteiermärk'ſchen Zeitſchrift, über welche ſich die Heidelberger Jahrbücher, Gersdorf's Repertorium, die Wiener Zeitſchrift u. a. höchſt vortheilhaft ver nehmen ließen, ſchreitet raſch vorwärts. Die bisher ausgegebenen drei Bände, deren jeden ein wohlgelungenes litho graphirtes Landſchafks-Gemälde ziert, bieten eine reiche Auswahl gediegener Aufſäze dar, unter welchen ſich die hiſtoriſchen und topographiſchen von den Profeſſoren A. v. Muchar, Petter, Schreiner, Schrötter, J. G. Seidl, Stöger, A. Heinrich und Canaval,

und die poetiſchen von C. G. Ritter

von Leitner, Hermannsthal, Feuch tersleben u. a. vorzüglich auszeichnen. B.

Wien. Von den hieſigen Alma⸗ nachen ſind bereits einige, mit will⸗ kommenen Spenden befrachtet, von Stapel gelaufen. Lembert's und Kur⸗ länder's dramatiſche Taſchenbücher mach⸗ ten den Anfang, und bieten recht Brauchbares. Ihnen folgte dasGe⸗ denke mein! welches mit ſchönen Stahl ſtichen, braven Erzählungen und zahl reichen metriſchen Blüten bedacht iſt. Gleichzeitig erſchienen die, durch ihre Wohlfeilheit und die Eleganz der Ausſtattung allen andern zum Muſter dienenden, von J. G. Seidl redigir ten Taſchenbücher:Aurora,Das Veilchen und derFreund des ſchönen Geſchlechts. Sie beſtehen, wie immer ſeit dem Augenblike, wo ſie unter die Redaktion dieſes ſo ausgezeichneten va⸗