Jahrgang 
Band 2 (1835)
Seite
653
 
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trefflich und alle Uebrigen genügten. Hr. Weiß gab als erſte Rolle(unter dem Titel Gaſt) den Wurzel im Feenmädchen. Vier Jahre von die⸗ ſer Bühne entfernt, ward er bei ſei⸗ nem Wiedererſcheinen daſelbſt jubelnd empfangen, und erntete im Verlaufe des Stükes unzählige Beweiſe der Huld des Publik ums. Delle: Altmutter, als Fee Lacrimoſa, ſprach verſtändig und präſentirte ſich mit Anſtand. Hr. Hölzl (Buſtorius) erreichte ſeinen Vorgänger, Hrn. Fermier, in der Szene mit Wur⸗ zel, als hohes Alter, nicht ganz, deſto beſſer wirkte er in den übrigen Sze nen. Mad. Scutta(Zufciedenheit) ent⸗ ſchädigte für die unvergeßliche Ennöckl. Blianchi's Marlonettentheater iſt zu gut, als daß wir es tadeln, und zu ſchlecht, als daß wir es loben könnten. Dies gilt übrigens nur von der erſten Produktion, vielleicht kömmt es noch beſſer, vielleicht auch nicht! Adiaphoros.

Im Wiedner Theater ſah ich die jezt furore machende Lokalpoſſe von Neſtroy:Zu ebener Erde und im er ſten Stoke. Das Ganze iſt recht ge lungen zu nennen, obſchon die Idee nicht ganz neu, und in Einzelnheiten ſtark an Raimund'sVerſchwender erinnert. Etwas Moral, Dank ſei auch da für dem Hrn. Neſtroy, liegt zwar dem Ganzen zur Baſis, und iſt auf eine ſehr einleuchtende, wie in ei⸗ nem Volksſtüke ſein ſollende Weiſe,

anſchaulich gemacht; nur glaube ich nicht

mit Unrecht bemerkt zu haben, daß nur etwas Moral herauszufinden iſt. Eine ganze reine Moral wird darin kaum zu finden ſein, denn das völlig paſſive Verhalten der Armen, die o h⸗ ne ihr Hinzuthun, nur durch Lotterieglük und einen begüterten ame⸗ rikaniſchen Onkel, immer reicher und reicher werden, denen, wie man ſagt,

die gebratenen Vögel in den Mund fliegen, wirkt ſtörend auf die moraliſche Tendenz ein. Auch wäre zu wünſchen, daß die Charaktere der Trödlerfamilie edler gezeichnet wären. So aber iſt der Trödler ein undankbarer Menſch, indem er ſeinen Adoptivſohn, der das von ihm Verdiente redlich mit ſeinen vermeinten Eltern theilt, aus dem Haufe ſchafft, weil ihm der Hausherr unter dieſer Bedingung den Zins er- läßt. Die Kinder weinen um Brod, während des Trödlers Mädchen ihrem Liebhaber 12 Groſchen auf einen Heu⸗ rigen gibt. Der reiche Goldfuchs lebt auf großem Fuße, gibt immer Unter⸗ haltungen, warum ſoll er es aber nicht thun? Er iſt Kaufmann, hat ſehr ein⸗ trägliche Geſchäfte, iſt überreich, und hat zur Vorſicht eine ziemliche Sum⸗ me bei einem Banquier liegen. Warum ſoll er nicht groß ſein Haus führen? Und wenn er verſchwenderiſch iſt, und man in dem Stüke zeigen will, welch ein Ende ſolch ein Lebenswandel nimmt, muß der Verſchwender ganz anders ge⸗ ſtellt werden, er muß durch ſeine e i⸗ gene Schuld zu Grunde gehen, nicht aber ſo, wie wir ihn hier ſehen. Das Schiff, das Eigenthum des Hrn. Goldfuchs, ſcheitert, das kann dem ſo⸗ lideſten Kaufmanne paſſiren, wie auch deſſen lezte Hoffnung, der Banquier, bei dem die Nothpfennige liegen, fal⸗ lirt. An dieſem Unglük hat aber Hr. Goldfuchs keine Schuld. Ganz anders hingegen iſt Raimund'sVerſchwen⸗ der, der geht durch eigene Schuld zu Grunde, darin liegt Moral. An⸗ ders würde ſich mein Urtheil geſtalten,

wenn ich vom zweiten Titel:Launen

des Glükes das Stük betrachten wür⸗ de, und Alles als beabſichtigt an⸗ nehmen möchte, um den Titel zu recht⸗ fertigenz allein da fällt die ganze Mo⸗ ral weg, denn Launen des Glükes kann man mit einem andern Worte benen⸗