Jahrgang 
Band 2 (1835)
Seite
643
 
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mich zu irgend einem Schwelzerbäker, bisweilen zu zweien nach einander und dann zur alten Miſtreß Puffy.] Vob gab ſich noch immer ſeiner Liehlingsſünde hin und ſagte überall:Schreiben Sie es auf meine Rechnung. Unglükli⸗ cherweiſe machte es Bob mit allen Handelsleuten ſo, an die er ſich wendete; ſtets hatte er neuen Schmuk, neue Kleidungsſtüke, Hüte de, die er ſich geben ließ, ohne ſich verbunden zu halten, Geld dafür aus der Taſche zu nehmen.

Ich wußte, daß Bob wahrſcheinlich einmal ein ſchönes Vermögen erbte, aber ich zweifelte ſehr, ob er dann im Stande ſein werde, das Viertel der Gegenſtände zu bezahlen, die ich ihn mit ſo wenig Umſtänden erwerben ſah Ich wagte, meine Beſorgniß darüber ihm mitzutheilen; ausl ſeiner Verlegen⸗ heit, aus der Rötbe, die ſein Geſicht überflog, ſchloß ich, daß er die Wahr beit meiner Bemerkung fühle; ich erkannte aber auch bald, daß er neben ſei⸗ nem alten Fehler auch noch die ſchlechte Gewohnheit beibehalten habe, ibn durch Lügen zu verbergen zu ſuchen, und daraus folgte, daß wir den Abend etwas zurükhaltender verbrachten, als gewöhnlich.

Den andern Morgen vergaß ich den vorhergegangenen Abend, denn Bob kündigte mir an, er habe Ordre erhalten, nach Indien abzugehen und müſſe London in zwei Tagen verlaſſen. Er hatte nur noch ſo viel Zeit, ſich zu der Reiſe vorzubereiten. Wir frühſtükten mit einander, und während der Mahl- zeit überbrachte der Bediente Vob fortwährend verſiegelte Billets, die mir an⸗ zeigten, daß mehrere Perſouen dringende Geſchäfte mit ihm hatten. Ich ſagte indeß nichts. Unmittelbar nach dem Frühſtüke nahm mich Vob am Arm und bat mich, mit ihm einen Spaziergang zu machen. Wir batten bereits mehrere Straßen und Pläze ſchweigend durchwandert, als Bob plözlich mit einem Tone von tiefem Gefühl ſprach:

Es iſt keine Wahl mehr, ich muß fort.

Gewiß, Vob, entgegnete ich,du müßteſt denn zurük gehalten werden.

Was meinſt du damit? fragte er erröthend.

Nimm es mir nicht übel, antwortete ich,aber wenig junge Leute, die ein Leben wie du geführt haben, würden zu einer ſo ſchnellen Ab⸗ reiſe bereit ſein. Du kennſt den Zuſtand meiner Finanzen, du weißt, daß ich von meinen Einnahmen durchaus nichts zurüklegen kann; wenn du aber glaubſt, daß ich dir nüzlich ſein kann, ſo verfüge über mich.

Bob drükte mir den Arm und ſeine Augen wurden feucht, aber er ſchämte ſich, den Vetrag ſeiner Verlegenheit zu geſtehen.

Daran erkenne ich dich, lieber Freund, und in dieſem Augenblike kannſt du mir einen wahren Dienſt erweiſen, wenn du deinen Namen auf einen Wech⸗ ſel ſchreibſt.

Ich hoffe, die Summe iſt nicht zu groß.

Nein, doch ich fürchte, ſie wird ein wenig boch ſein.

Wenn die Summe groß iſt, Bob, und ich kann an dem Verfalltage nicht bezahlen, ſo muß ich in das Gefängniß wandern, wie du weißt.

Nie! betheuerte Bob mit einer Wärme, daß aller Argwohn ſchwin⸗ den mußte.

Nun, wie viel beträgt es?