Jahrgang 
Band 2 (1835)
Seite
638
 
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über das k. k. Hofoperntheater für die Wiener Modenzeitung bekannt, wurde bon der hohen Behörde die Redaktion dieſes geſchäzten Blattes anvertraut. Unter der Leitung eines ſolchen Man nes läßt ſich nur Gutes erwarten.

N Adiaphoros.

RKorreſponden:.

Paris. Am 15. September hat⸗ ten die Pariſer zum Erſtenmal das Schauſpiel, die gallikaniſch-homöopa thiſche Geſellſchaft verſammelt zu ſehen. Vor zwei Jahren durch den Grafen Dr. des Guidis in Lyon gegründet, feierte dieſelbe das dritte Jahres feſt in Paris. Der Pariſer Lokalverein der Homzopa⸗ then führt den Titel:Institut ho- méopathique, und iſt nur ein Zweig des gallikaniſchen Vereins. Das Pari⸗ ſer Inſtitut kam bei der Regierung mit der Bitte ein, ſeine Geſellſchaft zu autoriſtren und derſelben ein Hoſpi⸗ tal zur Ausübung und Prüfung der Homöopathie anzuweiſen. Das erſte wurde von Hrn. Gutzot genehmigt, das zweite der Akademie, ats dem ein⸗ zigen kompetenten Richter, überlaſſen. Die Akademle fällte ein ſchonungsloſes Verdammungsurtheil, erklärte die Ho möopathie für Charlatanismus, die Ho moopathen für Betrieger, und bat den Miniſter, die Bitte nicht zu genehmi⸗ gen. Nun beginnt der Streit des In⸗ ſtituts mit der Akademie. Die ganze gallikaniſche Geſellſchaft fühlte ſich durch dieſes Edikt der Akademie angegriſſen, und aus allen Departements eilten Hahnemann's Jünger herbei, ihre Sa⸗ che zu verfechten. Bei der außerordent⸗ lichen Verbreitung der Homöopathie in Frankreich war es nicht zu verwun⸗ dern, in dieſer Verſammlung Aerzte aus Lyon, Marſeille, Nismes, Bor⸗ deauy, Quimper, Grenoble, Nantes u. f. w., ja aus Velgien und aus den

Schweizer Kantonen verſammelt zu ſe⸗ hen. Der 80 jährige Gründer präſidirte die Geſellſchaft, und nach den gewöhn lichen Eingangs formeln, Erneuerung der Büreaux und Veſtimmung des künf⸗ tigen Verſammlungsortes Vordeaur, wurde die Antwort auf das Verdam mungsedikt der Akademie vorgetragen. Dieſe Antwort beſteht in einem Schrei ben an den Miniſter, worin die Unge wißheit der mediziniſchen Lehren be leuchtet, das Naturgemäße der homöo pathiſchen hervorgehoben wird. Mit ungeheurem Beifall wurden mehrere Stellen beklatſcht, in denen die Mei nungsverſchiedenheiten der Akabemiker zur Sprache kamen.Ein jedes Mit⸗ glied hat ſein eigenes Syſtem; Män ner von den berſchiedenſten Schulen, und die bitterſten Feinde gegen einan⸗ der, haben ſich vereinigt, um eine Sache zu verdammen, die ſie nicht ken nen. Der Vortrag des Dr. Simon, eines ausgezeichneten Redners, machte lebhaften Eindruk. Man erwartet mit Ungeduld, welchen Ausgang die Sache haben wird. Am 16. und 17. dauerte die Konferenz noch fort. Der be rühmte Kompoſiteur Bellini(Mon- techt und Capuletti,Norma, die Unbekanntedie Nachtwandlerin gc.) iſt am 25. Sept., im 29. Jahre ſeines Alters, auf ſeinem Landhauſe Puteauy bei Paris mit Tode abgegangen. Gegenwärtig ſind Arbeiter beſchäftigt, bei dem Eingange des Champ- de- Mars, nächſt der Brüke von Jena, einen Tunnel zu bauen, durch welchen eine Eiſenbahn führen wird. Zwei Stun⸗ den von Calais wurde kürzlich eine Kanone aus dem Schooße des Meeres heraufgeholt, die wahrſcheinlich mehr als zwei Jahrhunderte daſelbſt verbor⸗ gen war. Sie iſt mit ſchön gearbeiteten Zierrathen überdekt, trefflich erhalten, und trägt die Jahrszahl 1604. Sie wiegt 1502 Pfand, iſt 10 Fuß lang,