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borgen iſt. Wie weit Klaproth ſelbſt in den Plan verwikelt war, weiß man nicht, aber vielleicht ließe ſich in ſeinem Nachlaß noch ein Abdruk jener Prok— lamationen auffinden. Daß dies Kurioſum faktiſch iſt, kann der Herausgeber des„Geſellſchafter“ am Veſten beſtätigen.(Wirklich fügt der Herausgeber, Hr. Gubitz, Folgendes bei: Die Angaben ſind richtig. Die Holzplatten wur— den damals, ohne daß ich wußte, was der Inhalt dieſer Schriftzeichen ſei, von mir geſchnitten. Wenige Tage vor ſeiner Abreiſe war ich bei Hru. v. K., der es mir, ohne ganz deutlich zu ſein, nahe legte, die Fahrt mitzumachen, wozu
ich aber keine Luſt verſpürte, troz der eröffneten großen Ausſichten.)
Leitung der„Novita Theater.
Wien(30. Sept.). Im k. k. Hofburgtheater ſahen wir eine Neuig— keit, unter dem Titel:„Das goldene Kreuz“, Schauſpiel in 2 Akten nach dem Franzöſiſchen von Kur länder. Der Name des Bearbeiters iſt zu rühm⸗ lich bekannt, als daß wir nöthig hätten per longum et latum in die Poſaune des Lobes zu ſtoſſen. Delle. Peche und die Herren Löwe, Wilhelmi und Ficht— ner waren in dem Stüke beſchäftigt, auch ddieſe Namen machen jedes Lob entbehrlich. Wieder ein Sonnenſtrahl in meine Nezenſentennacht!— Im Theater in der Joſephſtadt gaſtirte ein Hr. Schunk als Robert. Die Stimme des Gaſtes iſt äußerſt angenehm und wohltönend, ſeine Manier zeigt von guter Schule und als Schauſpieler prä— ſentirt er ſich ganz zu ſeinem Vorthei⸗ le. Lauter Beifall ermunterte den Künſt— ler. Delle. Jazedé, als Alice, über⸗ raſchte und entzükte. Von Hrn. Mel⸗ linger können wir dies nicht ſagen. Im Leopoldſtädter Theater gab man zur Benefize des fleißigen und geſchik⸗ ten Grotesktänzers Ziegelhauſer ein Quodlibet:„Die Zauberbilder“, zu⸗ ſammengeſtellt vom Pantomimenmeiſter, Karl Schadetzky. Dieſes Quodlibet be—
ſteht aus einer Reihe bon zwar olten
ten und e
Vorher ar:„Das neueſte Mittel ſeine Toch⸗ ter zu verheirathen“, von Herrn von
aber guten Szenen und geſtel.
Nibics. Mad. Schack, Delle. Altmut⸗ ter, dann die Herren Tomaſelli, Brab— bée und Kemetner ſpielten allerliebſt. — Hr. Neſtroy hat das Theater an der Wien mit einem neuen Stülke berei⸗ chert, Wir hatten noch wenig Gelegen⸗ heit, uns über dieſe Bühne günſtig zu äußern, aber um ſo angenehmer iſt es uns, in die Lage verſezt zu ſein, Vortheilhaftes berichten zu können. „Zu ebener Erde und erſter Stok, oder die Launen des Glükes“ iſt der Titel der neueſten und unſtreitig gelungen⸗ ſten Arbeit Neſtroy's. Das Stük wim⸗ melt von Wiz und Laune, nicht eine einzige Gemeinheit oder Zote ſchlich ſich in den meiſterhaft gearbeiteten Dia— log, und was am werthvollſten und lob— würdigſten, Moral und Poeſie ſind die Grundpfeiler dieſes ſchönen Gebäudes. Sämmtliche Mitwirkende waren ausge⸗ zeichnet, die Ausſtattung glänzend.— Ueber die neue Saktige Oper von Au⸗ ber:„Die Ballnacht“, welche im k. k. Hofoperntheater zur Aufführung kam, behalte ich mir vor im nächſten Reſe⸗ rate zu berichten.— Aus Mailand kam
hier ein Herr J. Bianchi mit einem
Marionettentheater an, das ganz vor⸗ züglich ſein ſoll.— Herrn Witthauer, ols gediegener Kritiker und Referent


