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liens, haben eine gewiſſe, auffallende Aehnlichkeit miteinander, welche in der Hauptſache darin beſtebt, daß Säulen die Deke der Kirche tragen; daß die ei— ſernen oder hölzernen Gurten oder Schlüſſen zur Be feſtigung der Gewölbbo⸗ gen mitten durch dieſe Bogen ſichtbar durchlaufen, und dem begeiſterten Auge zum Aergerniß ſind; daß der Hauptaltar frei ſteht, ſo daß Jedermann hinter demſelben, wo gewöhnlich noch Statuen oder Heiligen-Bilder aufgeſtellt ſind, bequem herumwandeln kann; daß ober dem Hochaltare eine große Krone ange— bracht iſt, von welcher ein weiter Baldachin, wie ein faltenreicher Mantel, ſich um das Altarbild herabzieht; die Krone iſt bald Holz bald Metall, ſtets vergoldet, der Baldachin wechſelt Farbe und Reichthum nach Beſchaffenheit des Kirchenfeſtes; daß keine bleibenden Kirchenſtühle anzutreffen ſind, ſondern je⸗ dem Eintretenden gegen ein Paar Soldi, ein niederer, hölzerner, oder mit Strohdurchflochtener Stuhl angeboten wird; wer daher kein Geld hat, oder aus Verſehen ſein Geld zu Hauſe ließ, der muß es ſich gefallen laſſen, ſtehend oder frei knieend Gott ſein Anllegen vorzutragen; wer ſeinen Plaz in der Kirche ändert, nimmt den Stuhl mit, was, wenn es zufällig mehrere zugleich thun, dem ungewohnten Ange des Fremdlings ſehr drollig erſcheint; endlich, daß bei einzelnen Theilen des Gottesdienſtes, und namentlich Nachmittag bei der Veſper das Volk und zwar in hateiniſcher Sprache dem Prieſter antwortet.
Dem Ambroſtaniſchen Ritus zu Folge hört man nie eigentliches Läuten, ſondern nur ein gewiſſes, regelmäßiges Schlagen an die Gloken, welche über— all genau nach Akkorden geſtimmt ſind. Dieſes Anſchlagen der Gloken iſt ſehr verſchieden, und richtet ſich immer nach dem Zweke, den es bedeutet; bald ſind es einzelne Schläge von zwei oder drei Gloken, welche nach beſtimmten Zwiſchenräumen ſich wiederholen, bald ſind dieſe Zwiſchenräume ungleich, bald ſcheint das Zu ſammentönen mehrerer Gloken eine Art Melodie zu bilden.
Leopold Schlecht.
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Ein Deutſcher wollte König von Perſien werden.
Unter dieſer Rubrik theilt der Berliner„Geſellſchafter für Geiſt und Herz“ folgende wohl noch wenig bekannte Thatſache mit: Im Jahr 1804 hatte ein Hr. v. K. die Idee aufgefaßt, König von Perſien werden zu wollen; eben verheirathet mit einer ſehr ſchönen Frau, gedachte er ſie auf den Thron zu erheben. Er wandte ſich an Klaproth, vertraute ſich ihm an, und dieſer ſchrleb die Proklamationen an das perſiſche Volk, die, auf Holzplatten geſchnitten, in mehreren Tauſenden von Exemplaren auf Seidenpapier gedrukt wurden. Die abenteuerliche Idee des Hrn. v. K. war, in der Nähe der Hauptſtadt ſich in einem Luftballon zu erheben, die Proklamationen von da herabfallen zu laſſen, und endlich als neuer Prophet ſelbſt vom Himmel herab unter das Volk zu treten. Es wurde für Proklamationen und Luftballon im Reiſewagen ein geheimer Boden gemacht. Hr. v. K. fuhr mit ſeiner ſchönen Frau davon, kam auch bis in die Nähe Perſiens, wurde dort aber, der Angabe nach(denn hier hört des Referenten beſtimmtes Wiſſen auf), von Räubern geplündert, in deren Hände nun auch mit dem Wagen Proklamationen und Luftballon ſie⸗ len, ohne daß vielleicht bis heute noch Jemand weiß, was in dem Wagen ver,


