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Literatur.
Wien(Literariſcher Kou⸗ rier.)„Dramatiſches und Lyriſches von Leo von Walthen,“ unter dieſer Firma erſchien die Gedichtſammlung eines Wiener Autors in Stuttgart bei Brodhag. Der Autor hat klug ge⸗ handelt ſeinen eigentlichen Namen dem Publikum nicht kund zu geben, ſon⸗ dern ihn verſezt dem Werkchen vorzu- ſezen. Die Tempelheren, ein Trauer⸗ ſpiel in 4 Aufzügen, Liebeslieder, Na⸗ turbilder, erzählende Gedichte und ein Romanzenkranz:„der Cid“, machen den Inhalt desſelben aus. Wenn blo⸗ ßes mittelmäßiges Reimen Jemand zum Dichter macht, ſo iſt unstreitig Herr Leo v. Walthen ein Dichter zu nennen, ſonſt aber finden wir keine Spur einer Poeſie in dieſem Werkchen, Barokes jedoch genug, nur ein Bei— ſpiel: in„Schillers Album“ Nro 1 S. 138, heißt es:
„Dem Waſſerſturz kann ich nicht widerſtehen, Und muß am Ende mir mit Schmerz geſtehen, Daß meine Stimme ungehört verklungen, Sie ruhe denn in Schillers eh'rnen Zehen.“ Wer hätte ſich gedacht, daß eine Stimme in den Zehen Schillers ruhen könne und daß dieſe ehern ſind. Das gehört doch in das Tollhaus. Es iſt kaum möglich, ſich eine größere Seich— tigkeit zu denken als den Gedichten(2) „alter Fahneneid“ und„mein Papagei“ zu Grunde liegt. In dem erſteren, der Mahnung eines Vaters an einen Fähndrich, ſoll dieſer die Fahne mit der rechten Hand halten, wird ihm
dieſe abgehauen mit der Linken, wird
ihm dieſe abgehauen mit dem Munde, bekommt er nun den Todesſtreich, ſoll er ſich in ſeine Fahne wikeln— mit was? da er keine Hände mehr hat, wahrſcheinlich mit den Füſſen.— Un⸗ ter die leſbaren Piecen gehören:„das
Gewitter“,„Bruchſtük einer Epiſtel““ und das Gedicht„an Lenau“, welches das gelungenſte in der Sammlung ſein dürfte.— Bei Michael Lechner, Univerſitats-Buchhändler in Wien, er⸗ ſchienen„Erzählungen und Novellen“ von And. Schuhmacher 4. B. 8vo. 1855.— Die„„Oeſterreichiſche Zeit⸗ ſchrift“, redigirt von Kaltenbäck, äu⸗ ßert ſich über dieſelben mit folgenden Worten:„Wir haben oben von vier den lezten Jahren angehörigen Novellen⸗ Sammlungen vaterländiſcher Schriſtſtel⸗ ler Erwähnung gethan und nehmen keinen Anſtand Herrn S. in Veziehung auf das Talent für dieſes Fach den Vorrang einzuräumen. Was uns in den Erzählungen des Hrn. S. mangel⸗ haft erſchien, finden wir durch viele, ſchöne Vorzüge in ſo reichem Maaße erſezt, daß wir die Herausgabe ſeiner Novellen nur als eine angenehme ſchä⸗ zenswerthe Erſcheinung begrüßen kön⸗ nen. Die Fabel iſt größtentheils ſin⸗ nig, bisweilen frappant erdacht, die Charaktere ſind gut gehalten, die Szenerie mit Takt und Wirkſamkeit angelegt. Die Reflexion iſt eben ſo gründlich als dem jedesmaligen Tone angepaßt.“ Und an einer andern Stelle: „Die Handlung ſteht unſerm Autor zu Gebot, er erfindet Begebenheiten mit Geſchik und weiß ſie auf eine in— tereſſante Weiſe durch einen didaktiſchen Hintergrund zu adeln; auch die zweite Bedingung, die Erzählung beſizt S und ſtellt das Werdende, fortſchreitende in der Handlung mit lebendiger An⸗ ſchaulichkeit in der entſprechendſten Ent⸗ wiklung dar. oc. de.— Neu erſchien: „Scelta di Poesie Italiane d' autori antichi e moderni raccolte e publicate da Domenico Pon is io. Vienna, Volke. 1835.“(4 fl. Conv. Mze. Ve⸗ lin 2 fl.) Ein Werk, das durch ſei⸗ nen trefflichen Gehalt alle Würdigung und Anerkennung verdient, X.


