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bel dieſer Vorſtellung, wo ſie noch weit glänzender hervortreten muß. Wenn Hr. Kunſt mehr Theilnahme mit dem Karl als mit dem Franz erregte, ſo liegt dies in dem Charakter der Rolle, aber ſicherlich war auch der abſcheuliche Franz höchſt gelungen aufgefaßt und durchgeführt, was auch dem Küänſtler vielen Beifall erwarb. Aber ſtürmiſch war er, wenn er den lohnenderen Karl gab. Dieſe edeln Formen ſeiner ſtatt⸗ lichen Geſtalt, dieſe herrliche, kräf— tige Ausſprache, dieſe Begeiſterung im Vortrage, verbunden mit dem innig— ſten Gefühle erwarben ihm die höchſte Anerkennung von Seite des zahlreich verſammelten Publikums. Er ward ſie⸗ ben Mal hervorgerufen. Herr Kunſt ſcheidet von uns und nimmt die Zu⸗ friedenheit unſers gebildeten Publik ums in hohem Grade mit.— Hr. Mül⸗ ler, Direktor der deutſchen Oper zu Bukareſt, gab mehrere Gaſtrollen im Schauſpiel und in der Oper, und er⸗ ſchien zulezt am 25. d. M. als Bar⸗ bier v. Sevilla. Wir hätten gewünſcht, daß er dieſe Rolle zu ſeinem Antritte gewählt hätte, dann wäre ſicher ber Eindruk, den er auf unſer Publikum hervorbrachte, beſſer ausgefallen. Stim⸗ me und Spiel hätten ihn dazu berech⸗ tigt.— Mad. Schröder De v⸗
rient begann geſtern als Fidelio ih⸗
ren zweiten Gaſtrollen⸗Cyklus. J. M.
Wien(22. Sept.) Das war eine genußreiche Woche für eine arme Rezenſentenſeele! Im k. k. Hofburg⸗ theater, dieſem reinen Tempel der Kunſt, trat eine der gefeiertſten Prie⸗ ſterinen Thaliens, Caroline Müller, nach langer, lebensgefährlicher Krank⸗ heit in„Gleiche Schuld und gleiche Strafe“ und in„Minna v. Barnhelm““ wieder auf. Das in Unzahl verſammelte Publikum jauchzte ſeinem Lieblinge enthuſlaſtiſch entgegen und überſchüt⸗
tete die Liebliche während der Vorſtel⸗ lung mit Beifall. Von der Darſtellung kann man nur ſagen: ſie fand im Hof⸗ burgtheater Statt und alles Lob iſt überflüſſig.— Ziegler's„Parteiwuth“ erſchien auf dieſer Bühne mit neuer Beſezung. Herr C. Laroche, als Sir Cocke, ſtellte ein Bild hin, das zur Bewunderung und zum Staunen hin— riß. Denke dir, geehrter Leſer, die Voll⸗ kommenheit und du haſt die Lei⸗ ſtung Laroche's gedacht. Herr Lukas, als Heinr. Laud, ſtand dem großen Künſtler würdig zur Seite. Dlle Fournier, als Lady, war eine liebliche Erſcheinung. Herr Anſchütz(Scheriff) wie immer ausgezeichnet. Die übrige Darſtellung entſprechend. Im Theater in der Joſephſtadt gefällt eine neue Piece von Ant. Platzer:„der falſche Konzertiſt auf dem neuerfundenen Holz⸗ und Stroh-Inſtrument.“ Obwohl die Handlung arm und alltäglich, ſo iſt doch die Bearbeitung gelungen. Witz. und Wortſpiele, komiſche Liederſtrophen und flüchtiger Dialog bekleiden das magere Stoffgerippe, daß es recht ſtatt— lich einherſchreitet. Hr. Rott, als fal⸗ ſcher Guſikoff, iſt koſtbar; an ihm hat das Stük eine wakere Stüze gefunden, und wir wünſchen der thätigen Direk— tion, daß ſie mit dieſer Novität recht gute Geſchäfte machen möge. Hr. Platzer wirkt recht ergezlich mit.— Die Leo⸗ poldſtädter Bühne hat eine vortreffliche Acquiſition durch das Engagement des Hrn. Hölzt als Regiſſeur gemacht. Bis hieher die Freuden dieſer Woche — nun kommt der Wermuthbecher! An der Wien ſahen wir„Hasper a Spada“ in ſechs Akten und ein altes Stük mit neuem Titel:„Die weißen Moh⸗ ren“ von einem Anonymus: Des Stükes ſind wir ledig, Gott ſei dem Dichter gnädig!
Sapienti sat. Adiaphoros.


