Jahrgang 
Band 2 (1835)
Seite
594
 
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Ei was dummes Zeug, Herr! die Sachen ſind ſelten ſo klar, wie dieſe. Wie kommt Ihr auf den tollen Einfall, meinen rechtsgelehrten Ver⸗ ſtand einer Sünde zu zeihen?

Auf die einfachſte Weiſe, mein Herr: ich kenne den, ſtatt deſſen Ihr Maſter Edwards zum Tode verurtheilt habt. Denn kurz geſagt: Lambert's Mörder ſteht vor euch! ö

Kein Hagelſchlag richtet in der ſchönſten Ernte ein ſolches Unheil an, wie dieſe Meldung in dem vertrokneten Richter. Im erſten Schrek ſtieß er vor Entſezen, ſo eng mit einem Mörder eingeſchloſſen zu ſein, einen Laut heraus, der nichts Menſchliches an ſich hatte und wahrſcheinlich zwiſchen einer Beſchwö⸗ rung und einer Bitte die rechte Mitte hielt; dann ſtrekte er die Hand nach der ſilbernen Dienſtgloke aus, welche vor ihm auf dem Tiſche ſtand. Aber der Athem ſchwand ihm faſt, als der, welcher die gräßliche Beichte abge⸗ legt, auch ſeine Hand auffing und ſagte:Mit eurem Verlaub, nicht da hinaus, Sir!

Mit eurem Verlaub, Sir, nicht dahinaus! Was 2 wollt Jyr mich morden mit meiner Erlaubniß, Sir?««

Ich will euch kein Leides thun, Sir; aber mein Geſtändniß ſoll ganz freiwillig und ungezwungen ſein. Er legte die Handgloke ſo weit weg, daß die Hand des Geſezes ſie nicht mehr erreichen konnte, und gab dann, ſeine ehr furchtsvolle Haltung wieder annehmend, ſein weiteres Bekenntniß ab. Er erzählte, das er Simon Johnſon heiße, eine Waiſe ſei und bei Herrn Edwards die gütigſte Erziehung genoſſen habe. Bei Entwikltung ſeiner fernern Geſchichte deutete er darauf hin, daß ſeine Prinzipalin eine ungeſezliche Leidenſchaft in ſeinem Herzen habe erregen wollen; ſeine Zurükweiſung und Verachtung aller ihrer Künſte brachte ſie dahin, ihn auf das Tiefſte zu haſſen und zu verfol⸗ gen. Das Haus ſeines Wohlthäters wurde ihm unerträglich, er ſuchte Erho lung in Geſellſchaft und fiel zum Unglük unter lüderliche Buben, unter denen ſich Lambert Smithe befand. Dieſer war auch einer von denen, welche ihm gar eifrig riethen, er ſolle von Zeit zu Zeit etwas von ſeines Prinzipals Ueberfluſſewegſtibizen«, damit ſie Alle noch bequemer und ſchwelgeriſcher leben könnten. Lange verwarf ſein beſſeres Gefühl ſolche Rathſchläge, doch endlich ließ er ſich durch die immerwährenden falſchen Veſchuldigungen der Mi ſtreß Edwards verleiten, ſich mit dem wirklichen Verbrechen zu beladen, das man ihm bis jezt bloß aufgebürdet hatte. In Folge dieſes Entſchluſſes ent wendete er wirklich einige Sachen von Werth. Aber ſtatt von ſeinen Genoſſen, wie er gehofft, in den Himmel erhoben zu werden, beluden ſie ihn vielmehr mit Schmähungen aller Art, weil er ihnen ſo wenig gebracht und nicht tief genug gegriffen habe. Dadurch halb beſchämt, halb angeſpornt, nahm er ſich vor, ſeinen Prinzipal nun auch einmal recht tüchtig zu beſtehlen, und er ge⸗ dachte dieſen Vorſaz vermittelſt eines geheimen Schlüſſels auszuführen, den er ſich zu verſchaffen gewußt hatte. Es war in derſelben Nacht, da der Mord ver übt wurde. Er hatte ſich ſchon in den Hof geſchlichen und wollte eben die Haus⸗ thür öffnen, als er Fußtritte hörte, ſich raſch zurükzog und verſtekte. Von hier aus hatte er geſehen, wie Mrs. Edwards dem ſchon verſtrikten Lambert durch allerlei verliebte Zärtlichkeiten und ſiunlich reizende Narrheiten Muth gemacht, den ihr abſcheulichen Ehemann zu ermorden. Als nun Lambert, durch