Jahrgang 
Band 2 (1835)
Seite
593
 
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Sonnabend, 19. Septemb. 1835.

Kunst, Eleganz und Mode.

(Achter Jahrgang.)

Halbfähriger Prels 4 fl., mit freier Poſtzu⸗ Man pränumerirt im Kommiſſlonsamt zu Ofen

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ſendung 5 fl. Auf Velinpapler mit erſten 2(Feſtungsauffahrt), in Ferd. Tomalas Kunſthand⸗ 3 7

Kupferabbrilken 5 fl. und poſtfrei 6 fl. C. M. lung zu Peſth und bel allen k. k. Poſtämtern.

Der Bu ch ha lite r⸗ (Beſchluß.)

Nachts um halb zehn Uhr ſaß der Richter in ſeinem Zimmer allein. Er hatte für dieſe Privatſeſſion den bequemſten Lehnſtuhl gewählt, neben ihm war ein tüchtiges Feuer und vor ihm ſtand ein neuer Gegenſtand, dem er auf den Grund zu kommen ſuchte: ſeine Trinkkanne mit gewürztem Claret. Er war bei dieſer Unterſuchung in eine Art Halbſchlummer verſunken, als er durch ein lautes Auſſchlagen des Thürhammers aufgeſchrekt wurde und der eintretende Diener ſich vernehmen ließ, draußen ſeie in Fremder, der ſich durch aus keinen Aufſchub gefallen laſſen wolle. Der Gaſt wurde eingelaſſen; es war ein junger Mann, deſſen Blik aber ſo ſtier, deſſen Züge in dem Grade von einem innern Kampfe verzerrt erſchienen, daß der Richter, ſonſt gewohnt, die Barren zwiſchen ſich und ſolchen Geſichtern zu ſehen und ziemlich bewan⸗ dert in deren Bedeutung, entſezt zurüktrat. In ſeiner Angſt befahl er dem Diener, da der Schreiber ſchon nach Hauſe gegangen ſei, im Zimmer zu blei⸗ ben und deſſen Stelle zu verſehen; das war nun ſehr albern, denn einmal wußte er, daß der Diener nicht ſchreiben konnte, dann wußte er nicht, ob überhaupt ein Schreiber nöthig war. Der vor ihm erſchienene Jüngling riß ihn indeß bald aus ſeiner Verlegenheit; er erklärte dem würdigen Vertreter des Geſezes mit einem Mienenſpiel, das keinen Widerſpruch erlaubte, nur ihm allein habe er eine Mittheilung von Wichtigkeit zu machen.

Der Diener zog ſich zurük, der Syndikus ſezte ſeine Brille auf und der Jüngling begann: 5

Sir, ich komme, euch zu ſagen, daß Ihr heute einen unſchulbigen Mann zum Tode verurtheilt habt. a